Zeitreise nach Durchbruch

Die BVG kann mit den Gleisverlegearbeiten für die verlängerte U Bahn-Linie 5 beginnen. 2020 sollen die ersten regulären Züge rollen.

Das Licht am Ende des Tunnels ist für die Hönower und die anderen „Anrainer“ der U-Bahn-Linie 5 jetzt noch weiter in Richtung Westen gewandert. Grund: Mit dem Tunneldurchbruch am U-Bahnhof Brandenburger Tor wäre ein 22 Kilometer langer Spaziergang auf den Gleisen von Hönow bis zum Hauptbahnhof möglich. „Damit rückt die für 2020 geplante Fertigstellung der neuen Berliner Ost-West-Verbindung in greifbare Nähe“, erklärte Berlins Regierender Bürgermeister, Michael Müller, anlässlich der kleinen Feierstunde im Berliner Untergrund. Die wachsende Stadt, so Müller weiter, brauche ein wachsendes Verkehrssystem. Dazu sei auch das zentrale Berliner Infrastrukturprojekt ein wichtiger Beitrag. Das Projekt ‚Lückenschluss U5‘ komplettiere im Herzen der Stadt das hervorragende Netz des Berliner ÖPNV.Dieser Schritt schliesst das Teilprojekt Tunnelrohbau ab, das 2013 mit der Auffahrt der Tunnelvortriebsmaschine «Bärlinde» begonnen hatte. Dabei schafften die Tunnelmannschaften der bauausführenden Firma Implenia mit «Bärlinde» über 20 Meter pro Tag – gerade in den herausfordernden Bodenverhältnissen in Berlins Mitte eine sehr gute Leistung.

In wenigen Wochen beginnt nun der Gleisbau an der Tunnelstrecke. Das Durchfahren der gesamten, 22 Kilometer langen Strecke zwischen Hönow und Hauptbahnhof wird möglich sein, wenn auch die drei neuen U-Bahnhöfe fertiggestellt sind: Rotes Rathaus, Museumsinsel und der Umsteigebahnhof Unter den Linden. Der Bahnhof Unter den Linden, der auch als Umsteigebahnhof zur U6 dient, soll im Juli folgen. Zuletzt war die Inbetriebnahme vor rund zweieinhalb Jahren von Herbst 2019 auf Mitte 2020 verschoben worden. Baubeginn war 2010. Auch die Kosten für die 2,2 Kilometer lange Strecke und die drei neuen Bahnhöfe sind von 433 Millionen auf 525 Millionen Euro gestiegen. Das sind rund 238.000 Euro pro Meter neuer U-Bahn-Strecke.

Dora fährt

Nutzer der U55 erleben ab Sonntag schon jetzt ein vollkommen neues Fahrgefühl. Nach mehrwöchigen Probefahrten auf der Linie U5, sind dann vier reaktivierte und mit moderner Sicherheitsausrüstung ausgestattete Treibwagen der Baureihe D (auch Dora genannt) zwischen Brandenburger Tor und Hauptbahnhof unterwegs. Nachdem in der zurückliegenden Woche die alten F79-Modelle mit einem Kran aus dem Tunnel gehoben worden waren, wurden die neuen alten Wagons hinuntergelassen. „Hier legen die Doppeltriebwagen jährlich nur etwa 40.000 Kilometer zurück, die Züge im übrigen Netz müssen dreimal so viel leisten“, so ein BVG-Sprecher. Die Züge der U-Bahnlinie 55 sind überdies eine fahrende Ausstellung. Auf der zweieinhalbminütigen Fahrt zwischen Hauptbahnhof und Brandenburger Tor können Fahrgäste auf eine fotografische Zeitreise durch die Geschichte der Demokratie in Deutschland gehen. Im Mittelpunkt steht dabei das Reichstagsgebäude als Symbol und Kulisse der historischen Entwicklung.

Ulf Teichert, Bild: BVG/Oliver Lang