Kein Tierasyl im Bürgerpark

Umwelt: Rosengarten wird saniert – doch der ganz große Wurf bleibt Zukunftsmusik.

Es klang verlockend: Ein Altenheim für ausgesetzte und abgeschobene Tiere am Rande des Pankower Bürgerparks. Volieren, Quartiere und Auslauf für Hunde und Katzen waren schon geplant. „Doch die Leute wollen uns nicht“, bedauert Dirk Bufé. „Dabei wissen viele gar nicht, was wir hier machen.“ Mit seinem Partner Hartmut Benter betreibt er seit 2006 in der Blankenburger Burgwallstraße ein Tieraltenheim. Auf dem 1.300 Quadratmeter großen Gelände zwischen Autobahn und S-Bahnstrecke leben rund 300 Vögel, 30 Hunde und 20 Katzen – mal mehr, mal weniger. Artgerecht gehalten, tierärztlich bestens betreut verbringen die jahrelang vernachlässigten Tiere hier ihre Gnadenjahre.

Vom Amt geduldet

Die beiden Männer, Postangestellte im Hauptberuf, sind Tierfreunde mit Herz und Verstand. „Jedes Geschöpf hat das Recht auf ein artgerechtes Leben“, sagen sie. Dafür engagiert sich ihr Verein „Vogelgnadenhof und Altenheim für Tiere e.V“. 400 Tierfreunde sind mit dabei, viele helfen regelmäßig, organisieren Spenden und Futter. Die Kosten für Unterbringung und Betreuung sind enorm, allein die Arzneien verschlingen hunderte Euro monatlich. „Ohne die ehrenamtlichen Helfer und Spenden wären wir längst am Ende“, sagt Bufé. Der Tierhof liegt inmitten eines Wohngebiets, ist bau- und planungsrechtlich umstritten. Das Bezirksamt duldet die wohnfremde Nutzung, fordert jedoch, dass mittelfristig ein Ersatzstandort gefunden wird. Dieser Ort schien mit dem Bürgerpark gefunden, in dem ja bereits auch andere Tiere lebten. Zwar standen im vergangenen Sommer die Signale noch nicht auf „Grün“, doch der damalige Stadtrat Kirchner signalisierte Zuversicht. Erste Gespräche zum Tierasyl verliefen positiv. Dann kam im September die Bürgerversammlung, auf der verschiedene Projekte von Bürgerinitiativen zur Um- und Neugestaltung des Parks debattiert wurden. Fazit: Die Mehrzahl der Anwohner wollte keine Tieranlage – zu nah, zu laut, hieß es. Aus der Traum. Auch Kirchner zog sich zurück,
wechselte in den Senat.

Traum aufgegeben

Längst haben sich Bufé und Benter von ihrem Traum verabschiedet. „Es gibt keine bezirklichen Planungen, ein Tieraltenheim im Bürgerpark anzusiedeln“, haben sie erfahren. Man sei jedoch bemüht, dem Vogelgnadenhof bei der Suche nach einem alternativen Standort zu helfen, versichert der neue Stadtrat, Vollrad Kuhn (Grüne). Indessen wird der Platz knapp, können keine Tiere mehr aufgenommen werden. Auch im Bürgerpark selbst bleibt auf absehbare Zeit alles beim Alten. Ein Bürgerbeteiligungsverfahren wird es so bald nicht geben. „Wir verschließen uns keinen tragfähigen Konzepten, die die rechtlichen und finanziellen Vorgaben beachten. Dafür sind wir auch in Gesprächen mit der neu gegründeten Bürger-Park-Initiative“; sagt Kuhn. „Bis dahin steht jedoch der Substanzerhalt der Parkanlage im Vordergrund.“ In diesem Jahr wird für 385.000 Euro erst einmal der Rosengarten saniert. Die ganz groß angelegte Umgestaltung des denkmalgeschützten Geländes muss
noch warten.

Autor und Bild: Jürgen Zweigert