Ein Rückblick auf glanzvolle Zeiten

Peter-Behrens-Bau feiert 100. Jubiläum mit einem Oldtimer- und E-Autokorso.

Vor 100 Jahren, am 1. Oktober 1917, begann im Peter-Behrens-Bau ein neues Zeitalter der Technik. An diesem denkwürdigen Tag startete die Nationale Automobilgesellschaft hier in der Wilhelminenhofstraße in Oberschöneweide ihre Automobilproduktion. Mit einem großen Fest soll deshalb im Oktober dieses Jubiläum mit einem Rückblick auf glanzvolle Zeiten gefeiert werden. „Zu DDR-Zeiten hatte sich in Schöneweide das größte innerstädtische Industriegebiet des Landes angesiedelt. 25.000 Arbeiter haben die Straße hier jeden Tag bevölkert. Nach dem Alexanderplatz war die Wilhelminenhofstraße das größte Einkaufszentrum der Stadt“, sagt Susanne Reumschüssel, Projektleiterin im Industriesalon Schöneweide..

Wiederbelebung des Lebensnervs

Nach der Wende brachen die Industrien zusammen, das Wohngebiet entlang der Wilhelminenhofstraße drohte zum „Ghetto von Köpenick“ zu verkommen. Seit den 90ern kämpfen Bezirk und Initiativen um die Wiederbelebung des einstigen Schöneweider Lebensnervs. Der Kiez wurde durchsaniert, die Hochschule für Technik und Wirtschaft siedelte ihren neuen Campus in Teilen des historischen Kabelwerks an. Seit elf Jahren strömen nun täglich über 9.000 Studenten hierher, die meisten fahren aber leider abends wieder weg. Deshalb sind die drei Monate Semesterferien für die Läden und die Gastronomie ein großes Problem. Der Bezirk braucht dringend Anreize für die Studenten, ihren Wohnsitz nach Schöneweide zu verlegen. Zehn neue Wohnheime sollen die Perspektiven für sie verbessern. Der Campus passt hingegen heute schon gut zum früheren Erfindergeist. „Vor dem zweiten Weltkrieg baute die AEG in der Wilhelminenhofstraße bereits Elektroautos. Über 100 von ihnen waren in den Zwanzigerjahren in Berlin als Taxen unterwegs“, sagt Susanne Reumschüssel.

E-Autokorso zeigt Pionierarbeit

Mit einem Oldtimer- und einem E-Autokorso soll zum Straßenfest „Boxenstopp Wilhelminenhofstraße“ am 1. Oktober an diese Pionierarbeit erinnert werden. Für diese Idee haben die Initiatoren im Wettbewerb „MittendrIn Berlin!“ ein Preisgeld von 35.000 Euro gewonnen. Außerdem sollen alle Gewerbebetreibenden der Wilhelminenhofstraße besser untereinander vernetzt werden. Am 1. Oktober bietet sich für sie die erste Gelegenheit. Dann können sich beispielsweise die chinesischen, vietnamesischen und türkischen Ladenbetreiber mit verschiedenen „Boxenstopps“ entlang der Straße und bei der Feier im Industrie-Denkmal vorstellen. Hier findet auch eine Ausstellung zum Industriedesign Peter Behrens statt und die Fassade präsentiert sich mit einer eindrucksvollen Licht- und Videoinstallation.

Daniel Seeger, Bilder: Deutsches Technikmuseum, Historisches Archiv / Industriesalon Schöneweide