Suhrkamp kommt nach Mitte

Verlag zieht an die Torstraße – Anwohner fordern Baustopp.

Mit schwerem Gerät gingen die Bauarbeiter kürzlich auf der Grünfläche an der Ecke Rosa-Luxemburg-Straße/Linienstraße/Torstraße den alten Bäumen an den Kragen. Acht Pappeln und vier Linden krachten zu Boden, Büsche und Sträucher wurden gerodet. Auch den kleinen Imbiss gibt es nicht mehr. Das Geläde wurde für das neue Verlagshaus von Suhrkamp vorbereitet. 2019 will der Verlag hier mit 140 Mitarbeitern einziehen. Der Umzugsweg wird kurz. Einfach einmal die Straße runter. Momentan mietet der Verlag zwei Etagen in einem Bürogebäude an der Pappelallee in Prenzlauer Berg. „Das war von vorneherein nur als Übergangslösung gedacht“, sagt Unternehmenssprecherin Dr. Tanja Postpischil.

Anwohner aufgebracht

„Um die vier Linden ist es schade“, sagt einer der Bauarbeiter. Aber die Pappeln seien ohnehin nicht mehr lange am Leben zu erhalten gewesen. Die Anwohner sind aufgebracht. Sie wollen die öffentliche Grünfläche nicht an den Verlag verlieren. Ein Anwohner aus der Torstraße, hat eine Online-Petition ins Leben gerufen, um das Vorhaben zu stoppen. „Das letzte Grün wird für den Neubau vernichtet, obwohl am Alexanderplatz immer noch Gebäude leerstehen“, argumentiert er. Da scheint es nicht viel zu helfen, dass der Verlag mit dem Bau seines neuen Gebäudes einen öffentlich zugänglichen städtischen Platz mit Grünflächen, Bäumen, Sitzbänken und einer Caféterrasse plant. Auch Läden und Mietwohnungen sollen entstehen. Die Anwohner fordern einen Baustopp. Doch vergeblich. Die Baugenehmigung ist Anfang der Woche erteilt worden. Baubeginn wird im April sein.

Drei Gebäude

Das neue Verlagsgebäude wird aus drei Gebäuden bestehen, die 30 Prozent der vorhandenen Fläche einnehmen. Früher war die Fläche zu 80 Prozent unter anderem mit einer Blockrandbebauung des Architekten Hans Poelzig und einem dichten Altbauquartier bebaut. Poelzig war es, der 1927 das Gebäude mit dem Kino Babylon plante. Die neuen Planungen sehen einen nach Süden orientierten Platz vor, der durch die Bebauung von der stark befahrenen Torstraße abgegrenzt werden soll.

Schlichte Fassade

Das Verlagsgebäude wird sieben Geschosse haben, 3.000 Quadratmeter groß sein und stellt damit Platz für die Mitarbeiter aller Verlage der Suhrkamp AG bereit, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung des beauftragten Architekturbüros Bundschuh, und weiter: „Im Erdgeschoss bietet ein Café mit Südterrasse einen Ort zum Verweilen zwischen Tor- und Linienstraße.“ Der zweigeschossige Verbindungsbau schließt an eine öffentliche Passage an, die eine Verbindung zur Torstraße und den dort gelegenen Haltestellen herstellt. „Hier, sowie im Wohngebäude entstehen im Erdgeschoss Laden- bzw. Galerieflächen. Im Durchgang ist ein Späti projektiert“, heißt es in der Mitteilung. An der Linienstraße entsteht ein sechsgeschossiges Wohngebäude. Über der Gewerbeeinheit im Erdgeschoss befinden sich Mietwohnungen, der Eingang erfolgt vom neuen Platz aus. Die Gebäude sollen eine schlichte, zurückhaltende Fassadenmaterialität aus Sichtbeton und eloxiertem Aluminium sowie große Festverglasungen in allen Gebäudeteilen erhalten. Die gesamte Grünfläche sowie die Verbindung zur Torstraße sind öffentlich zugänglich und werden von den Eigentümern unterhalten und gepflegt.

Sara Klinke, Bilder: Bundschuh Architekten, Sara Klinke