Shoppen im Provisorium

Markthalle Tegel nach ihrem Umzug frisch und vielfältig wie immer.

Ihre Zukunft war lange Zeit ungewiss, aber allen Unkenrufen zum Trotz ist die Hundertjährige wieder da: Schon seit Mitte Februar strömen die Tegeler in ihre neue Markthalle im ehemaligen Hertie-Haus an der Gorkistraße – nun wurde die beliebte Einkaufsstätte auch offiziell eröffnet. Gut gelaunt, weil mit dem Ergebnis zufrieden, durchschnitten Tegel-Center-lnvestor Harald Huth (HGHI Holding GmbH) und Reinickendorfs Bürgermeister, Frank Balzer (CDU), das rote Band.

Wort gehalten

,,Wir haben gesagt, die Halle bleibt auch während des Umbaus und wir stehen zu unserem Wort”, sagt Berlins Shopping-Mall-König Huth. ,,Jetzt lädt dieser Mix aus Tradition und Moderne wieder zum Einkauf und Verweilen ein.” Auch Balzer ist positiv überrascht: ,,Schön geworden, die Halle. Ein Ort, der neben Qualität und Frische auch für persönliche Kontakte zwischen Händlern und Kunden steht.” Ein guter Tag für Tegel und weit darüber hinaus. Ein schönes Provisorium – das meinen auch die Händler. ,,Hell, modern, freundlich, wärmer, ein angenehmes Klima”, sagt Michael Overlöper vom Obststand Sommer. Aber was heißt hier „Stand” – es ist eine lange Obst- und Gemüsetheke, die Regionales und Internationales in farbenprächtiger Frische offeriert.

Reinickendorfs Bürgermeister Frank Balzer und Tegel-Center-Investor
Harald Huth bei der offiziellen Eröffnung des Provisoriums

Nach hektischen Umzugswochen im kalten Februar ist nun beruhigende Geschäftigkeit eingekehrt. Mit seiner Kollegin Angelika Beyer bedient und berät er die Kunden, hofft, dass sie auch zahlreich in die neue Halle kommen. Natürlich hatte die alte ihren rustikalen Charme, findet er, und kann verstehen, wenn mancher diese Atmosphäre vermisst.. ,,Es brummt zwar noch nicht, aber das wird sich einspielen”, weiß er. Den „Sommers” war von Anfang an klar, dass sie mit in die Ausweichhalle ziehen würden. Zumal die Mieten blieben – ,,auch da hat der Huth Wort gehalten”, heißt es. Doch etlichen war dies nicht Anreiz genug: Etwa die Hälfte der ehemals 50 Händler zogen mit ins Hertie-Haus; einige neue kamen dazu. Manche – wie der Schneider – wollten sowieso aufhören, anderen war der Umzug zu aufwendig. Deshalb ist das alte Angebot noch nicht komplett. Besonders der Bäcker und die Fischbraterei werden schmerzlich vermisst; auch Blumenladen und Cafe fehlen noch. ,,Wir arbeiten dran, sie kommen bald dazu”, versichert das Center-Management.

Schöne Aussichten

Allzu viel Zeit bleibt dafür nicht: Bis Mitte/Ende 2018 müssen alle wieder raus. Dann – so der Plan – zieht die Markthalle endgültig rüber ins neu gebaute Quartier an der Grußdorfstraße. „Wir machen aus der Gorkistraße eine grandiose Einkaufsmeile”, hatte Huth versprochen. 200 Millionen Euro investiert seine Holding in den Umbau der 45 Jahre alten Fußgängerzone; die Handelsfläche wächst auf 50.000 Quadratmeter. Karstadt wird ein wichtiger Hauptmieter im neuen Tegel-Center. Schöne Aussichten für Tegels beliebtesten Handelsplatz.

Jürgen Zweigert, Bilder: HGHI