Langes Warten auf das Ja-Wort

Ausnahmesituation im Standesamt Mitte – es mangelt an Standesbeamten.

Wer im Standesamt Mitte an der Parochialstraße 3 seine Eheschließung beantragen will, braucht Geduld und langen Atem. Früh aufzustehen, sei auch allen Heiratswilligen aus Mitte geraten, die sich hier die Lizenz für die Ehe holen wollen. Schon morgens um 4 Uhr geht der Kampf um die Bearbeitungstickets los. Ungefähr 15 am Tag werden vergeben. 50 Leute stehen aber schon vor der Tür, bevor das Amt überhaupt die Türen öffnet. Diejenigen, die sich durchkämpfen können, dürfen in die Wartehalle. Alle anderen werden nach Hause geschickt. Viele probieren es seit Wochen jeden Tag. Die Bewertungen des Standesamts im Internet sind vernichtend. „Gebe es eine Minusbewertung, hat dieses Standesamt minus fünf Sterne verdient“, sagt der eine. „Es gibt kein Wartenummern-System, telefonische Terminvergabe braucht mindestens 4 Wochen Vorlauf“, beklagt der andere. Heiraten soll eigentlich eine schöne Sache sein, in Mitte wird der Bund fürs Leben aber momentan zum Horrortrip.

Besserung in Aussicht

Sprechstunden der Heiratsabteilung gibt es nur montags und dienstags. Für Donnerstage könne man sich telefonisch einen Termin geben lassen. „Doch niemand geht ans Telefon“, beklagt ein Kunde. Die Kritik und die schlechten Internet-Bewertungen des Standesamtes Mitte, einem der größten Deutschlands, seien berechtigt, sagt die zuständige Stadträtin Dr. Sandra Obermeyer. Ursache für diese „Ausnahme- und Sondersituation“ sei mangelndes Personal. Es fehle vor allem an Standesbeamten. Nur zehn von fünfzehn Stellen sind derzeit besetzt. Für die offenen sei es schwer, Personal zu finden. Obermeyer erklärt: „Wir stehen in großer Konkurrenz zu Bundes- und Landesbehörden und finden als Bezirksamt kaum noch Leute und vorhandenes Personal springt uns ab.“ Ein weiterer Faktor: Die Standesamtstätigkeit erfordert eine halbjährige Zusatzausbildung, die erst mit der Einstellung beginnen kann. Drei Mitarbeiter wurden schon eingestellt, müssen aber noch die Ausbildung absolvieren und sind deshalb noch nicht voll einsatzfähig. Obermeyer bedaure sehr, dass sie kurzfristig keine Lösung für die Situation im Standesamt Mitte anbieten kann. Sie hoffe auf Entscheidungen auf Senatsebene, mehr Personal für die Bezirke zuzulassen. „Denn ‚mehr‘ hilft manchmal auch schlichtweg ‚mehr‘“, sagt sie. Im Laufe des Jahres rechnet Obermeyer mit einer Verbesserung des Service-Angebots, da dann die bereits eingestellten Mitarbeiter eingearbeitet sind. „Bis dahin arbeiten die Kollegen bis an ihre Belastungsfähigkeit und darüber hinaus.“ Verliebten rät sie, erst einen Termin beim Standesamt zu machen, bevor sie einen konkreten Heiratstermin vereinbaren. Die aktuellen Wartezeiten seien leider nicht zu ändern. „Bislang konnten wir nur die Wartesituation als solche entschärfen, indem wir die Menschen ab 5.30 Uhr ins Gebäude lassen, damit nicht draußen gewartet werden muss.“ Die eigentliche Sprechstunde beginnt jedoch erst um 9 Uhr.

Sara Klinke, Bild: Thinkstock/Wavebreak Media Ltd.