Rockhaus vor der Schließung

Vertrag mit dem Hauptmieter ist gekündigt.

Das Berliner Rockhaus in der Buchberger Straße ist eines der größten Probehäuser für Musiker in ganz Deutschland. Um die 250 Bands mit schätzungsweise 1.000 Musikern haben sich in die rund 200 Räume des ehemaligen Postdienstgebäudes nahe der Frankfurter Allee eingemietet. Das Prinzip ist günstig und einfach: Je nach Proberaumgröße kostet die monatliche Miete zwischen 180 und 500 Euro – dafür gibt es die Schlüssel zu den ehemaligen Büros, die allesamt Schallschutz gesichert und auch entsprechend gesetzlicher Brandschutzbestimmungen ausgebaut sind. Wachschutz, Reinigungsservice und Fahrstühle gibt es als weiteren Service im riesigen Plattenbau dazu, den die Musiker rund um die Uhr und an jedem Tag im Jahr nutzen können

Seit zehn Jahren

Seit dem Jahr 2007 regelt Dirk Kümmele das Geschäft mit der Vermietung. Anfangs nutzte der Musiker auch Räume hier selber und vermittelte zwischen seinen Kollegen und dem damaligen Eigentümer. Ab 2013 wurde mit Kümmele ein Generalmietvertrag abgeschlossen, der ihm die Weitervermietung an Musiker ermöglichte. Um die 300.000 Euro investierte Kümmele in den notwendigen Schall- und Brandschutz in der Folge. In den Jahren darauf entwickelte sich ein Geschäft mit vielen Gewinnern. Das Haus mit den 1.000 Amateur- und Profimusikern, Musiklehrern und -schülern ist stets ausgebucht, denn solche Proberäume sind in Berlin Mangelware – Wartelisten von bis zu zwei Jahren werden an vergleichbaren Häusern, wie dem Orwo-Haus in Marzahn-Hellersdorf geführt. „Mit dem Rockhaus könnte jetzt aber bald Schluss sein“, berichtet Dirk Kümmele auf der letzten Mieterversammlung im Veranstaltungssaal des Hauses Mitte Februar. Der neue Eigentümer, die Scharfstein Group, die das Gebäude seit 2015 besitzt, hat seinen bis zum Jahr 2023 laufenden Vertrag gekündigt. Kündigungsgrund seien die nicht rechtzeitig umgesetzten Verpflichtungen zum Brandschutz gewesen. Kümmele entgegnet, dass die Arbeiten noch liefen, als die Kündigung bereits im Briefkasten lag. Ein gerichtlicher Gütetermin scheiterte und Dirk Kümmele legte jetzt Berufung ein, deren Ergebnis ebenso noch aussteht. Auch das Verfahren zu Shai Scharfsteins eingereichter Räumungsklage beim Landgericht Berlin ist noch in Bearbeitung. Vor wenigen Wochen erfuhr Dirk Kümmele nun, dass die Musiker das Rockhaus in der Buchberger Straße verlassen sollen. Dazu habe Scharfstein bereits Listen mit den Anschriften aller Mieter bei Kümmele angefordert. „Die Scharfstein Group besitzt auch den vorderen Part des Grundstückes an der Frankfurter Allee“, weiß der Musiker. Für dieses Haus mit der Post-Filiale im Erdgeschoss wurde bereits ein Genehmigungsverfahren für den Bau eines sechsstöckigen Büro- und Gewerbegebäudes im vergangenen Jahr beim Lichtenberger Bezirksamt eingeleitet.

Politische Unterstützung

In der Zwischenzeit hat sich auch Bürgermeister Michael Grunst in die Angelegenheit eingebracht. Mit erstem Erfolg. Dirk Kümmele und Shai Scharfstein wollen in den kommenden Tagen die Verhandlungen um den Fortbestand des Rockhauses erneut aufnehmen. Dazu hatte Dr. Andreas Prüfer, der Leiter des Büros, beim Kultursenator Klaus Lederer ein positives Feedback von Scharfsteins Anwalt erhalten.

Autor und Bild: Stefan Bartylla