Geisterhaus trotz Wohnungsnot

Das prachtvolle Gebäude im Gardeschützenweg vermodert immer weiter.

Planen auf den Dächern, der Putz abgebröckelt und außen rum ein Bauzaun – „Betreten verboten“. Seit 15 Jahren steht das Haus im Gardeschützenweg, Ecke Hindenburgdamm leer – während sich im Rest Berlins die Wohnungssituation immer weiter zuspitzt (siehe Seite 8). Alle Versuche, das prachtvolle Gebäude wieder dem Wohnungsmarkt zuzuführen, sind gescheitert. Da hilft scheinbar auch der Grundsatz „Eigentum verpflichtet“ aus dem Grundgesetz wenig. „Da es sich um Privateigentum handelt, sind die Einflussmöglichkeiten des Bezirks begrenzt“, sagt Bürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU); „wir haben ordnungsrechtlich da nicht viele Möglichkeiten“. So kann der Bezirk nur bei konkreten Gefährdungen aktiv werden. Sichtbares Zeugnis dafür ist zum Beispiel der Tunnel an dem Gebäude, durch den die Passanten vor herunterfallenden Gegenständen geschützt werden sollen. Über das Zweckentfremdungsgesetz – seit 2014 in Kraft und seit rund zwei Jahren im konkreten Fall geprüft – sei der Eigentümer hingegen nur schwer zu belangen, so die Bürgermeisterin. Das Haus sei so nicht bewohnbar, in diesem Zustand kann es also schlichtweg nicht zweckentfremdet werden. Diskutiert wurde laut Berichten außerdem die Anordnung einer Sanierung nach Baugesetzbuch oder die von Bezirkspolitikern geforderte zeitweilige Enteignung – passiert ist in diese Richtung ebenfalls noch nichts. Die für Enteignungen zuständige Senatsbehörde für Stadtentwicklung wird bis dato vor allem dann aktiv, wenn es um den Ausbau von Straßen oder um öffentliche Einrichtungen geht.

Bußgelder werden gezahlt

Indes zahlt der Eigentümer laut Bezirk seine Bußgelder in Höhe von mehreren Tausend Euro munter weiter und hält Sicherheitsauflagen ein – verkaufen will er offensichtlich nicht, entsprechende Angebote habe es mehrfach gegeben.

Immer wieder Thema

So ist das Haus im Gardeschützenweg inzwischen seit Jahrzehnten immer wieder Thema, regelmäßig sei der Bezirk an den Eigentümer herangetreten. Richter-Kotowski hofft trotzdem, dass endlich Bewegung in die Sache kommt. Schließlich ist das Haus im Bezirk das einzige in dieser Größenordnung, das seit vielen Jahren ungenutzt leer steht. Das ist sehr traurig bei einem so schönen Gebäude, klagt die Mitarbeiterin aus dem gegenüberliegenden Blumenladen. „Der Eigentümer hat offensichtlich genügend Geld, um die Immobilie so verfallen zu lassen.“ Seit Jahren würde an dem Haus überhaupt nichts passieren.

Daniel Seeger, Bild: Villa Grüntal – Wohngemeinschaften für Senioren GmbH 2016