Der Taser-Test

Polizei: Rund um den Alex sind jetzt Beamte mit Elektroschockwaffen unterwegs.

In einer dreijährigen Probephase testet die Berliner Polizei ab sofort den Einsatz von Tasern. 20 Beamte wurden mit den „Elektrodistanzgeräten“, wie sie im Polizeideutsch heißen, ausgestattet. Zum Einsatz sollen sie rund um den Alexanderplatz sowie am Görlitzer Park und Kottbusser Tor in Kreuzberg kommen. „Dort, wo die Kriminalität besonders hoch ist“, sagt Thomas Drechsler, Einsatzleiter der Berliner Polizei, der den Taser in der vergangenen Woche gemeinsam mit seinen Polizeikollegen vorgestellt hat.

Kurzzeitig gelähmt

Der Taser ist knallgelb und kostet 1.100 Euro „Er wird auf den Straßen deutlich sichtbar sein“, sagt Drechsler. In dem Gerät befinden sich zwei Kartuschen für je einen Schuss. Die abgefeuerten Pfeile hängen an einem sieben Meter langen Draht und bohren sich in die Kleidung des Zielobjekts. Fünf Sekunden lang wirken dann 50.000 Volt und 1,3 Milliampere auf den Getroffenen und legen ihn lahm. Drechsler betont: „Dieses Gerät ist kein Elektroschocker, sondern wirkt mit weitaus weniger Volt.“ Im Vergleich: Ein handelsüblicher Elektroschocker verfügt über bis zu eine Million Volt. Bei einem Tasertreffer gibt das Gehirn dem motorischen Nervensystem den Befehl, alle Muskeln im Körper anzuspannen. Dadurch wird der Getroffene völlig wehrlos und könnte beispielsweise entwaffnet werden. Gedacht sei der Einsatz des Tasers vor allem bei Suizid-Versuchen oder Messerangriffen. Der Taser soll eine Lücke zwischen Pfefferspray und Pistole schließen. In der Vergangenheit habe der Polizeieinsatz von Schusswaffen immer wieder zu Todesopfern geführt. Und Pfefferspray wirke zum Beispiel bei Menschen, die unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stehen, nicht oder nur bedingt. „Wir brauchen ein Einsatzmittel, das auf Distanz wirkt“, sagt Drechsler. Berlin ist das erste Bundesland, in dem der Taser beim Streifendienst zum Einsatz kommt. Bei Spezialeinsatzkommandos gehört er allerdings schon seit 16 Jahren
zur üblichen Ausrüstung.

Hohe Hemmschwelle

Amnesty International kritisiert den Einsatz der Taser. Für Menschen mit schwachen Herzen könne der Elektroschock tödlich sein. In den USA soll es dabei schon zahlreiche Todesopfer gegeben haben. Drechsler wiegelt ab: „Die rechtlichen Vorschriften legen fest, dass ein Taser genau wie eine Schusswaffe zu bewerten ist. Dementsprechend hoch ist die Hemmschwelle, das Gerät einzusetzen.“ Auch Friedrichshain-Kreuzberg ist gegen den Taser. Im Bezirksparlament haben die Linken und die Grünen eine Resolution gegen den Einsatz beschlossen. „Unser Bezirk ist weder Truppenübungsplatz noch Experimentierfeld für gefährliche Dienstwaffen“, heißt es im Antrag der Grünen. Für mehr Sicherheit brauche es an Kriminalitätsschwerpunkten mehr sichtbare Polizeipräsenz statt immer mehr technische Aufrüstung. Die Devise müsse lauten: Mehr Schupos statt Schockwaffen.

Sara Klinke, Bild: Stefan Bartylla