S 21 bekommt nasse Füße

Verkehr: Neue Probleme beim Bau der Nord-Süd-S-Bahn-Trasse.

Nicht nur Stuttgart – auch Berlin hat sein Projekt S 21. Doch hier verhindern nicht Bürgerproteste den Bau, sondern das Grundwasser und Pfusch an den Vorarbeiten. Denn die Berliner wollen liebend gern ihre S 21 – jene S-Bahn-Linie, die den Nordring zunächst mit dem Hauptbahnhof, später mit dem Potsdamer Platz verbinden und irgendwann übers Gleisdreieck bis zum Südstern führen soll. Ein tolles Verkehrsprojekt, das die Anbindung des zentralen Eisenbahndrehkreuzes weiter perfektionieren würde. Zudem soll mit der neuen Station „Perleberger Brücke“ das Wohngebiet Heidestraße besser erschlossen werden.

Unvollendete Trasse

Leider wird sich das Projekt jetzt verzögern: Zu gravierend die baulichen Probleme, zu unberechenbar die Kostenexplosion von einst geplanten 227 auf derzeit knapp 320 Millionen Euro. Seit 16 Jahren wird an der S 21 gebaut. Die knapp vier Kilometer lange Trasse des 1. Bauabschnitts, die die Nordring-Bahnhöfe Wedding und Westhafen mit dem Hauptbahnhof verbindet, sollte eigentlich schon pünktlich zur Fußball-WM 2006 fertig sein. Doch die in diesem Bereich unterirdische S-Bahn-Trasse blieb unvollendet. In der verordneten Eile wurde offensichtlich so gepfuscht, dass die schlechte Qualität der Vorleistungen einen sicheren Tunnelbau weiter verzögerte. Am künftigen Bahnsteig muss kräftig und aufwändig nachgearbeitet werden. Fertigstellung 2015, hieß es zunächst. Dann 2017, ganz bestimmt aber 2019. Wunschtermine, die nicht zu halten sind. Vielleicht 2020, wird gemunkelt. Zusätzliche Ursache für die aktuelle Verzögerung sei, dass Grundwasser in die Baugrube eindringe, bestätigt Christian Beckmann von der Deutschen Bahn: „Wir können keinen Termin für die Fertigstellung des ersten Bauabschnitts nennen“, sagt er. Zu viel Nass sickert in den Tunnel unterm Tiergarten, auch im Nordteil wird das Grundwasser mit dicken Schläuchen abgepumpt.

Weitere Probleme

Und wenn das Grundwasser besiegt ist, sind weitere Probleme programmiert: Weil der erste Abschnitt dennoch in Betrieb gehen soll, plant die Bahn einen provisorischen Tunnel-Bahnsteig; viel kürzer und ein gutes Stück vom Hauptbahnhof entfernt. Dieser kann nur mit vier Wagen angefahren werden – fraglich, ob sich das überhaupt lohnt. So werden derzeit neue Kosten-Nutzen-Rechnungen aufgemacht. Diese bedrohen zwar die halbfertige S 21 nicht, lassen aber beispielsweise einen Bahnhof „Perleberger Brücke“ unberücksichtigt. Mit 30 Millionen Euro zu teuer, heißt es, aber man wolle es prüfen. Berlin und seine Großprojekte – eine unendliche Geschichte!

Jürgen Zweigert, Bild: Deutsche Bahn AG