Nullrunde im Kostengalopp

Wohnungsmarkt: Senat reglementiert Preisniveau der Wohnbaugesellschaften.

Der neuste Wohnmarktreport für Berlin, den die CBRE gemeinsam mit der BerlinHyp herausgibt, belegt: In Lichtenberg gab es eine durchschnittliche Mietsteigerung im vergangenen Jahr von 6,1 Prozent. „Die Situation auf dem Wohnungsmarkt verschärft sich offenbar weiter. Eine Wohnung mit 5 bis 6 Euro pro Quadratmeter nettokalt zu finden, ist zu einem Glücksspiel geworden“, erklärt dazu der Geschäftsführer des Berliner Mietervereins, Reiner Wild in einer Pressemitteilung. „Wir müssen erneut feststellen, dass weder der angewachsene Neubau noch die Instrumente zur Mietendämpfung, wie zum Beispiel die Mietpreisbremse, auf dem Wohnungsmarkt wirken.“ Eine Tatsache, die auch Mieter hier im Bezirk deutlich zu spüren bekommen. Und das, obwohl die städtischen Wohnungsbaugesellschaften wie die HOWOGE mit ihren zahlreichen Wohnungsangeboten für eigentlich moderatere Preise einstehen müssten. Zwischen 5,90 Euro und 12,26 Euro pro Quadratmeter musste für Mietwohnungen im Jahr 2016 bezahlt werden. Mit einer Durchschnittsmiete von 8,49 Euro rangiert der Bezirk weiterhin im berlinweiten Mittelfeld – ein Preis, der mit einer anhaltend steigenden Entwicklung bald für viele Mieter nicht mehr zahlbar sein dürfte. In dieses Szenario platzte Ende der vergangenen Woche die Nachricht vom Abschluss einer Kooperationsvereinbarung nach der die Wohnunggesellschaften vorerst keine Mieterhöhungen aussprechen werden. Senatorin Kathrin Lompscher (Die Linke) hatte diese Sache bereits zu ihrem Wahlkampfthema gemacht und jetzt durchgesetzt. „Ich bin erfreut darüber, dass die landeseigenen Gesellschaften einen Weg suchen, auch die Mieterhöhungen, die bereits ab dem 1. Januar in Kraft getreten waren, unter die Neuregelung fallen zu lassen. Damit werden die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften mit ihren mehr als 300.000 Wohnungen ihrer Rolle als wichtige Akteure einer sozialen Wohnungspolitik gerecht“, erklärte dazu die Senatorin. Auch Finanzsenator Kollatz-Ahnen, der über das wirtschaftliche Wohl der städtischen Wohnungsgesellschaften zu wachen hat, zeigte sich zufrieden: „Faktisch bedeutet dieser Beschluss die Orientierung an zwei Prozent Mietsteigerung jährlich. Gleichzeitig ist die Wirtschaftlichkeit gesichert, da die Mehrkosten entgolten werden und die Wohnungsbaugesellschaften ihr ehrgeiziges Neubauprogramm fortsetzen können“, erklärte der Senator mit Blick auf die anstehenden Verhandlungen mit den Wohnungsgesellschaften.

Lichtenbergs Bürgermeister Michael Grunst sieht den Verhandlungsstand bereits perspektivisch: „Die im Ergebnis entstehende Vereinbarung muss deutlich mieterfreundlicher werden, als das zum Jahresende ausgelaufene Bündnis für Wohnen des Vorgängersenats war. Besonders wichtig ist mir das Ziel Miet-erhöhungen klar zu begrenzen“, teilte er auf Anfrage dem Berliner Abendblatt mit.

red/mh, Bild: Archiv / André Kowalski