Die Nachfrage wächst überall

Wohnen: In Reinickendorf sind die Mieten noch vergleichsweise günstig.

Berlin verzeichnet Zuwachs, der Beliebtheitsgrad steigt, Wohnungen werden rar. So ist die Hauptstadt auf den Bau neuer Wohnungen angewiesen – und die Mieten steigen von Jahr zu Jahr. Aus dem aktuellen Wohnmarkt-Report von Berlin Hyp und der Beratungsgesellschaft CBRE geht hervor, dass die Angebotsmieten um 5,6 Prozent gestiegen sind. Die durchschnittliche Kaltmiete liegt jetzt bei neun Euro.

Zwei günstiger

Anwohner im Bezirk Reinickendorf dagegen kommen besser weg als der Berliner Durchschnitt. 7,90 Euro pro Quadratmeter für eine Mietwohnung, das ist der Mittelwert. Der prozentuale Anstieg lag bei 5,3 Prozent. Damit verzeichnet der Bezirk noch die drittniedrigsten Mietpreise, nur in Marzahn-Hellersdorf und Spandau wohnt sich‘s noch günstiger. Absolute Höchstpreise werden in Friedrichshain-Kreuzberg verlangt (11,04 pro Quadratmeter).

Schutz versagt

Das Jahr 2016 war das erste vollständige Jahr mit Mietpreisbremse und Milieuschutz. Diese Instrumente scheinen jedoch nicht zu wirken. Reiner Wild vom Berliner Mieterverein deutet die Ergebnisse des Reports als „schonungslose Darstellung des Marktversagens“. „Eine Wohnung mit fünf bis sechs Euro pro Quadratmeter nettokalt zu finden, ist zu einem Glücksspiel geworden. Der Wohnungsmarkt trägt immer mehr zur Spaltung der Gesellschaft bei, die Immobilieneigner werden reicher, die Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen ärmer“, so Wild. Anstatt einer Entspannung des Wohnmarktes sind nun auch die noch preiswerten Quartiere in Berlin prozentual durch die Decke geschossen.

Höchste Preissteigerung

Der Humboldthain beispielsweise verzeichnet einen prozentualen Mietenanstieg um 47 Prozent. Laut Wild haben weder der angewachsene Neubau noch die Instrumente zur Mietendämpfung, wie zum Beispiel die Mietpreisbremse, auf den Wohnungsmarkt gewirkt. Er appelliert deshalb an den Senat, umgehend eine Bundesratsinitiative zur Verbesserung des Mieterschutzes zu starten, um die Bundesregierung unter Druck zu setzen. Auch bei den Eigentumswohnungen wird noch eine Schippe draufgelegt. Der durchschnittliche Preis stieg um fast 10 Prozent auf 3.289 Euro pro Quadratmeter. Die höchsten Durchschnittspreise wurden in Mitte (4.139 Euro), Friedrichshain-Kreuzberg (3.926 Euro) und Charlottenburg-Wilmersdorf verlangt (3.713 Euro). Am meisten ziehen die Preise für Wohneigentum in Spandau (plus 23,7 Prozent), Lichtenberg (plus 23 Prozent) und Tempelhof-Schöneberg (plus 21 Prozent) an. Wohneigentum in Berlin wird immer beliebter. 44 Neubauprojekte wurden 2016 in Mitte angestoßen. Dabei handelt es sich bei nur zwölf Projekten um die Errichtung von Mietwohnungen. Die bereits deutlichen Preissteigerungen für Eigentumswohnungen wurden erneut von der Preisentwicklung für Mehrfamilienhäuser übertroffen. Während in Charlottenburg-Wilmersdorf mit 2.854 Euro pro Quadratmeter die höchsten Preise abgerufen wurden, verzeichnete Reinickendorf mit 28,8 Prozent die umfangreichste Preissteigerung.

Geringe Kaufkraft

Seit 2005 wuchs die Bevölkerung Berlins um 270.000 Einwohner. Dieser Zuwachs bringt eine große Nachfrage am Wohnungsmarkt mit sich, an welcher sich die Mieten orientieren. Das heißt: Die Mieten steigen – dabei ist die Kaufkraft der Berliner im Vergleich zu anderen Großstädten noch immer deutlich geringer (Köln: plus 14,6 Prozent, Hamburg: plus 18,6 Prozent, Frankfurt: plus 23,7 Prozent, München: plus 42,5 Prozent).

red/mh, Bild: Getty Images/iStock/bessy