Stabil teuer wohnen

Geringe Mietsteigerung in Charlottenburg-Wilmersdorf.

Berlin verzeichnet Zuwachs, der Beliebtheitsgrad steigt, Wohnungen werden rar. So ist die Hauptstadt auf den Bau neuer Wohnungen angewiesen – und die Mieten steigen von Jahr zu Jahr. Aus dem aktuellen Wohnmarkt-Report von Berlin Hyp und der Beratungsgesellschaft CBRE geht hervor, dass die Angebotsmieten um 5,6 Prozent gestiegen sind. Die durchschnittliche Kaltmiete liegt jetzt bei neun Euro. Der Bezirk mit der geringsten Steigerung war Charlottenburg-Wilmersdorf mit 2,7 Prozent. Dort wurden zwischen 6,92 und 15,51 Euro pro Quadratmeter gezahlt. Mit einer Durchschnittsmiete von 10,21 Euro ist der Bezirk der drittteuerste in Berlin – nur übertroffen von Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte.

Schutz versagt

Das Jahr 2016 war das erste vollständige Jahr mit Mietpreisbremse und Milieuschutz. Diese Instrumente scheinen jedoch nicht zu wirken. Reiner Wild vom Berliner Mieterverein deutet die Ergebnisse des Reports als „schonungslose Darstellung des Marktversagens“. „Eine Wohnung mit fünf bis sechs Euro pro Quadratmeter nettokalt zu finden, ist zu einem Glücksspiel geworden. Der Wohnungsmarkt trägt immer mehr zur Spaltung der Gesellschaft bei, die Immobilieneigner werden reicher, die Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen ärmer“, so Wild. Anstatt einer Entspannung des Wohnmarktes sind nun auch die noch preiswerten Quartiere in Berlin prozentual durch die Decke geschossen. Laut Wild haben weder der angewachsene Neubau noch die Instrumente zur Mietendämpfung, wie zum Beispiel die Mietpreisbremse, auf den Wohnungsmarkt gewirkt. Er appelliert deshalb an den Senat, umgehend eine Bundesratsinitiative zur Verbesserung des Mieterschutzes zu starten, um die Bundesregierung unter Druck zu setzen.

Ungleich

Gerade in Charlottenburg-Wilmersdorf ist das Ungleichgewicht zwischen dem Bau von Eigentums- und Mietwohnungen gravierend. Von 20 Neubauvorhaben mit insgesamt 1.531 Wohnungen war nur ein Gebäude für Mietwohnungen gedacht. Die bereits deutlichen Preissteigerungen für Eigentumswohnungen wurden erneut von der Preisentwicklung für Mehrfamilienhäuser übertroffen. Während in Charlottenburg-Wilmersdorf mit 2.854 Euro pro Quadratmeter die höchsten Preise abgerufen wurden, verzeichnete Reinickendorf mit 28,8 Prozent die umfangreichste Preissteigerung. Seit 2005 wuchs die Bevölkerung Berlins um 270.000 Einwohner. Dieser Zuwachs bringt eine große Nachfrage am Wohnungsmarkt mit sich, an welcher sich die Mieten orientieren. Das heißt: Die Mieten steigen – dabei ist die Kaufkraft der Berliner im Vergleich zu anderen Großstädten noch immer deutlich geringer (München: plus 42,5 Prozent).

red, Bild: inside-outside