Sicherheit dem Sparzwang geopfert

Brandschutz: An der Elisabeth-Christinen-Schule wurde zehn Jahre nicht kontrolliert.

Buchstäblich brandgefährlich ist das Lernen an der Elisabeth-Christinen-Grundschule in Pankow-Niederschönhausen. Der Plattenbau aus den 1970er Jahren befindet sich seit mehr als zehn Jahren im Sanierungsstau. 2014 bestand sogar Gefahr, dass Fenster oder Fassadenteile herabstürzen und Schüler verletzen. Seitdem wurde nur das Nötigste unternommen, um die Bausubstanz zu erhalten. Doch genau diese Flickschusterei verschlimmerte die Evakuierungsmöglichkeiten im Falle eines Feuers. Denn manche Fenster wurden vor dem Herausfallen nur gesichert, indem sie fest verschraubt wurden und sich nicht mehr öffnen lassen. Nur ein Detail, das bei der Brandsicherheitsschau im November moniert wurde: „Im Brandfall kann die rechtzeitige Evakuierung der Schüler, Lehrer und Besucher, vor allem aus den Obergeschossen des Gebäudes, unter Umständen nicht sichergestellt werden.“

Unverzüglich dauert

Trotzdem dauerte es fast anderthalb Monate, ehe die Bau- und Wohnungsaufsicht protokollierte: „Es wird für unbedingt notwendig angesehen, unverzüglich Kompensationsmaßnahmen für die baulichen Mängel an den Rettungswegen im Hauptschulgebäude durchzuführen, bis die Mängel regulär beseitigt sind.“ Die Schulleitung reagierte prompt, wollte drei Etagen für den Unterricht sperren. Schulstadtrat Torsten Kühne (CDU) aber sah dann doch keine „baupolizeiliche Notwendigkeit“. Am Montag traf er sich zum Ortstermin, um mit Schulleitung und Elternvertretern zu besprechen, was sofort getan werden muss. Rauchmelder kommen in alle Räumen, die wichtigsten Fenster sollen wieder zu öffnen sein, außerdem werden die Flure von unnötigem Ballast befreit, damit der marode Plattenbau im Brandfall länger standhält. „Es geht darum, mehr Zeit für eine Evakuierung zu gewinnen“, sagt Kühne.

Brandsicherheitsschauen sind mindestens alle fünf Jahre vorgeschrieben. Die letzte an der Elisabeth-Christinen-Schule war zum Zeitpunkt der Begehung zehn Jahre her. Aus welchem Grund dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestintervall nicht entsprochen wurde, wollte Dr. Yasser Sabek (SPD) in der jüngsten BVV wissen. Stadtrat Kühne verwies auf „personelle Engpässe“ in der Bau- und Wohnungsaufsicht, die der Berliner Sparpolitik geschuldet seien. Längst äußern Abgeordnete den Verdacht, auch an anderen Schulen könnte der Brandschutz vernachlässigt worden sein. Das bestätigt der zuständige, gerade neu gewählte Baustadtrat Vollrad Kühn (Grüne). Nur in etwa 20 bis 25 Prozent der Schulen wurden die Kontroll-Fristen demnach eingehalten. „Das ist natürlich fatal. Wir dürfen nicht mit dem Leben der Kinder spielen“, sagt er. Seine Behörde wolle künftig genauer hinsehen, ob auch anderswo „Gefahr in Verzug“ ist, und dafür das Personal aufstocken.

Schneller umziehen

Für die Elisabeth-Christinen-Schule hieß es immer wieder, bald werde in zwei seit 2009 leer stehende Schulgebäude an der Buchholzstraße umgezogen. Doch die dort nötigen Sanierungsarbeiten wurden immer wieder verschoben. Jetzt tut sich etwas: Inzwischen hegen die Elternvertreter die Hoffnung, bereits Ende 2018 – statt wie bisher geplant erst 2022 – könnte der Umzug tatsächlich geschehen.

Michael Hielscher, Bild: Archiv/Görs