Das große Nagen

Es ist „Nagesaison“ für die Biber in der Rummelsburger Bucht.

Dass Biber in der Rummelsburger Bucht leben, wurde im vergangenen Jahr entdeckt. „Genau kennen wir die Anzahl der Biber dort nicht, aber es ist wahrscheinlich ein Paar. Der Biberbau befindet sich auf einer Insel im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Dort und in der unmittelbaren Umgebung des Bezirksdreiecks zu Lichtenberg und Treptow-Köpenick suchen sie nach Nahrung“, erklärt Wilfried Nünthel (CDU), Stadtrat für Naturschutz. Bei Beobachtungen seien auch sogenannte Fraßbilder vom Biber dokumentiert worden und sogar ein Baum sei von den Tieren bereits gefällt worden. „Im Einzelfall ist zukünftig zu prüfen, ob die vom Biber gefällten Bäume entfernt werden müssen“, so Nünthel. Ersatzpflanzungen seien im Moment nicht erforderlich.

Auf Winterdiät

Biber sind reine Vegetarier, sie fressen ausschließlich Gräser und Kräuter. Im Sommer können sie sich also am Boden ernähren, im Winter sehen sie es auf die dünnen Äste und Knospen oben in den Baumkronen ab. Die Nager sind sogenannte „territoriale Tiere“, sie dulden keine fremden Artgenossen in ihrem Revier, leben monogam und akzeptieren in ihrer Familie nur Kinder und Kindeskinder. Eigentlich seien die Stadtparks für Biber eher suboptimale Lebensräume, sagt Derk Ehlert, Experte für Wildtiere beim Berliner Senat. „Weil sie sich besser zernagen lassen, mögen die Tiere Weichhölzer wie Weiden oder Pappeln.“ Davon gibt es in Berlin nicht viele und trotzdem haben die Biber sich die Stadt als Lebensraum zurückerobert. 100 Exemplare leben mittlerweile wieder in der Hauptstadt, unter anderem im Schlosspark Charlottenburg, im Tiergarten und eben auch an der Rummelsburger Bucht. Sie stehen unter Artenschutz, dürfen also weder eingefangen noch umgesiedelt werden. Dafür sieht Derk Ehlert auch keinen Grund. Sich mit der Natur arrangieren, lautet die Devise.

Eventuell Baumschutz

Um einen normalen Baum mit einem Meter Umfang zu zernagen, ist ein Biber bis zu sechs Tage beschäftigt. Eine weitere Alternative, die bereits im Schlosspark Charlottenburg sowie in vielen Parks in Brandenburg erfolgreich angewendet wird, ist das Einzäunen der Stämme mit einem Estrich-Draht. Auch das Bezirksamt Lichtenberg plant gegebenenfalls solche Maßnahmen. “Wenn es erforderlich sein sollte, werden wertvolle Einzelgehölze mit einem Stammschutz versehen. Das Umwelt- und Naturschutzamt steht zudem in engem Kontakt zu anderen Berliner und Brandenburger Behörden und verfolgt seit einigen Jahren die dortige Entwicklung sehr genau. Im Bedarfsfall wird auf deren Erfahrungen zurückgegriffen“, erläutert der Umweltstadtrat und ergänzt, „Grundsätzlich ist die Ansiedelung der Biber zu begrüßen, da durch die Biber in den naturnahen Auenbereichen eine natürliche Entwicklung gesteuert wird.“

Stefan Bartylla, Sara Klinke, Bilder:Thinkstock/iStock/MyImages_Micha/ Bezirksamt Lichtenberg