Besser zu Fuß in die Schule

Taugt die Borkumstraße als berlinweites Vorbild?.

Wegen aggressiver Autofahrer hat die Werbellinsee-Grundschule in Schöneberg seine Schülerlotsen abgezogen. Eine Entwicklung, die auch im Bezirk Pankow mit Sorge diskutiert wird. Vielfach seien diese Verkehrsrüpel sogar Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, sagt Martina Zander-Rade, schulpolitische Sprecherin der Grünen. In mehreren Gesprächsrunden mit Schülern, Eltern, Vertretern der Verwaltung und der Polizei werden jetzt bauliche Veränderungen wie Zebrastreifen, Ampeln, Straßenverengung, Haltespuren oder Halteverbote besprochen.

Anwohner klagen

Verwaltung und Polizei betonen inzwischen den Einzelfallcharakter, nachdem die Nachricht vom Stopp des Schülerlotsendienstes berlinweit Wellen geschlagen hatte. Verkehrssenatorin Regine Günther griff den Vorschlag eines temporären Fahrverbots vor Schulen auf. Sie verwies auf die in Prenzlauer Berg praktizierte temporäre Spielstraße in der Gudvanger Straße und die verkehrsberuhigte Borkumstraße in Pankow. Was Frau Senatorin nicht erwähnte: Die berlinweit einmalige temporäre Spielstraße ist vorerst an Anwohnerprotesten gescheitert. 28 Parkplätze würden an einem Dienstag pro Monat fehlen. Das Verwaltungsgericht muss deshalb nun über die Klage der Spielstraßen-Gegner befinden.

Mehrfaches Pendeln

Um ein Dutzend Parkplätze geht es auch in der Borkumstraße, aber nicht nur: Dort geht es vor allem um die Sicherheit am Rosa-Luxemburg-Gymnasium. Schulleiter Ralf Treptow habe schon viele dramatische Verkehrssituationen erlebt. So sei er froh über das seit Schuljahresbeginn nur noch Fußgängern und Radfahrern vorbehaltene Teilstück. Denn die Gymnasiasten müssen mehrfach täglich zwischen Hauptgebäude und dem Modularen Ergänzungbau auf der anderen Straßenseite pendeln. Seit Jahren müht sich die Schulleitung darum, das Straßenteilstück ganz der wachsenden Bildungsstätte zuzuschlagen. Mehr als tausend Schüler lernen schon dort. Spätestens wenn der geplante Erweiterungsbau an der Ecke zur Neumannstraße verwirklicht wird, steht das Thema wieder auf der Tagesordnung. Einstweilen plagen sich Bezirk und Schule mit dem Widerspruch einiger Anwohner herum. Der Elternverein seinerseits sammelt Unterschriften für die Verkehrsberuhigung.So weiß Pankows zuständiger Stadtrat Dr. Torsten Kühne: „Jeder Schulstandort ist ein Einzelfall.“ Es dürfte schwer fallen, den Bedarf überall juristisch stichhaltig nachzuweisen. Er sieht folglich momentan keine rechtliche Grundlage für eine generelle Fahrverbotsregelung vor Schulen – nicht mal zeitweise. Außerdem: „Um dies durchzusetzen, ist Personal nötig“, gibt Kühne zu bedenken.

Und manchmal haben Schulen auch ganz andere Probleme: Am Luxemburg-Gymnasium etwa sorgt die Verlegung einer Bushaltestelle direkt vor das Haupteingangstor für gefährliche Situationen.

Michael Hielscher, Bild: iThinkstock/istock/Kikovic