Tötungswaffe Nummer eins

Polizei mahnt „Messer machen Mörder“.

Maximilian Bauer strahlt: Sein Design hat die Jury überzeugt. Ein stilisiertes Messer trägt den Schriftzug „Messer machen Mörder“ und ist nun das Logo des gleichnamigen Präventionsprojekts des Berliner Landeskriminalamtes. Auf der Prämierungsfeier holte der 17-jährige Gymnasiast des Archenhold Gymnasiums Schöneweide damit den 1. Preis – und bescherte seiner Schule 700 Euro Preisgeld. Die mit je 500 und 300 Euro dotierten zweiten und dritten Plätze gingen an die Bettina-von-Arnim Schule Reinickendorf sowie die Pankower Kurt-Schwitters-Oberschule. Großer Jubel im Ernst-Reuter-Saal – zu einem sehr ernsten Thema und in Anwesenheit des Ex-Nationalkickers Arne Friedrich, der die Aktion unterstützt.

Mehr Übergriffe

Arne:Besser ohne Messer

„Das Messer ist die Tötungswaffe Nummer Eins; ein Drittel aller Tötungsdelikte geschieht mit Messern. In aufgeheizter Stimmung, zur falschen Zeit am falschen Ort kann jedes Messer tödlich sein“, sagt Polizeikommissar Gordon Roloff vom Abschnitt 51 Friedrichshain-Kreuzberg, auch Ausbilder der polizeilichen Präventionsbeauftragten. „Die Kernbotschaft lautet: Am sichersten ist, man hat gar nicht erst eines dabei.“ Genau das vermitteln er und seine Kollegen den Schülern an Berlins Oberschulen und Gymnasien. Seit 2013, als das „Messer machen Mörder“-Projekt startete, absolvierten sie berlinweit fast 200 Veranstaltungen. „Natürlich ist das ein provokanter Titel, doch wir wollen die Jugendlichen aufrütteln“, so Roloff. Deshalb sind die Kurse anschaulich mit drastischen Fallbeispielen von Messerattacken und deren dramatischen Folgen für Opfer und Täter untersetzt. „Ist ein Messer dabei, dann geht es nur noch um Leben oder Tod. Es gibt keine Gewinner – es gibt nur Verlierer“, mahnt Roloff eindringlich sein jugendliches Publikum. Deshalb gilt: „Du brauchst kein Messer – Messer machen Mörder!“ Im Schuljahr 2015/16 meldeten Berlins Schulen mehr als 3.200 Übergriffe und Gewalttaten – gut 750 mehr als im Jahr zuvor. Die hohe Zahl resultiere daraus, dass die Schulen Vorfälle meldeten, die gar nicht meldepflichtig sind – wie Beleidigungen, Kiffen und Mobbing, begründet der Bildungssenat die steigende Tendenz. Lediglich 15 Prozent, also rund 480 Vorfälle, beträfen Delikte wie Bedrohungen und Körperverletzungen; etwa 100 mehr als im Vorjahr. Wie viele Messerattacken darunter sind, ist nicht erfasst. Sie geschehen zwischen Jugendlichen auch weniger in den Schulen, sondern häufiger in der Freizeit.

Autor und Bild: Jürgen Zweigert