Schülerlotsen leben gefährlich

Die Werbellinsee-Schule sucht den sicheren Weg.

Wegen aggressiver Autofahrer hat die Schulleiterin der Werbellinsee-Grundschule die Schülerlotsen an der Luitpold-, Ecke Eisenacherstraße abgezogen. Aktuell sorgt die Polizei dafür, dass die Schüler dort sicher über die Straße kommen – eine Lösung auf Dauer ist das nicht. Gleich zwei Anzeigen hatte es im Dezember gegeben, nachdem Autofahrer die Schülerlotsen einfach umkurvt hatten. „Seit Jahren beobachten wir eine zunehmende Ignoranz gegenüber den Schülerlotsen“, sagt Direktorin Schirop. Dabei sei die katastrophale Bring- und Abholsituation vor der Schule schon thematisiert worden. In mehreren Gesprächsrunden mit Schülern, Eltern, Vertretern der Verwaltung und der Polizei sowie Vertretern anderer Schulen sollen jetzt Lösungen gefunden werden. Zwischen Bezirk und Senat werden dabei bauliche Veränderungen wie Zebrastreifen, Ampeln, Straßenverengung, Haltespuren oder Halteverbote besprochen. „In der Werbellinsee-Grundschule geht es jetzt darum: Wie können wir den Schülerlotsen das Selbstvertrauen geben, um diesen Job wieder machen zu können“, sagt Bezirksstadtrat Oliver Schworck (SPD). An anderen Schulen im Bezirk funktioniere hingegen der Schülerlotsendienst ohne größere Probleme. Sein Parteikollege Kevin Kühnert warnt deswegen für die Werbellinsee-Grundschule vor Aktionismus wie beispielsweise die Sperrung von Straßen. Kinder müssten zu mündigen Verkehrsteilnehmern gemacht werden. „Dafür brauchen sie tätige Unterstützung und nicht etwa sterile Verkehrsbedingungen“, sagt Kühnert.

Verwaltung und Polizei betonen inzwischen den Einzelfallcharakter an der Werbellinsee-Grundschule, nachdem die Nachricht vom Stopp des Schülerlotsendienstes berlinweit Wellen geschlagen hatte. Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, griff dabei den Vorschlag eines temporären Fahrverbots vor Berliner Schulen auf – in Pankow und in Prenzlauer Berg werde dies schließlich bereits praktiziert. Dabei müsse allerdings an den Schulen vor Ort geprüft werden, ob diese Maßnahme überhaupt sinnvoll ist, heißt es aus der Senatsverwaltung. Laut Polizei haben von den 727 Grundschulen berlinweit etwa Hundert einen Lotsendienst eingerichtet. In den vergangenen fünf Jahren habe es dabei gerade mal fünf Anzeigen und einen kleineren Unfall in Treptow-Köpenick 2015 gegeben. Seit Jahren gehen demnach die Unfälle mit Kindern und Jugendlichen im Straßenverkehr zurück.

Daniel Seeger, Bild: imago/Steinach