Langes Warten auf das Ja-Wort

Zu wenig Personal für heiratswillige Neuköllner Paare.

Wer in Neukölln heiraten will, muss Zeit mitbringen: Zwei bis drei Wochen Bearbeitungszeit für die Prüfung von Dokumenten, dazu kommt noch die begrenzte Anzahl an Terminmöglichkeiten für das Wunschdatum. Gerade im Mai und Juni wird es eng. Diese Monate sind als Hochzeitstermin besonders beliebt und somit lange im Voraus ausgebucht. Kommt das Paar oder einer von beiden zudem noch aus dem Ausland, dauert es durchaus noch länger. Die Papiere müssen von den zuständigen ausländischen Behörden, sowie von der deutschen Botschaft geprüft werden. Die Eheleute können sich auf eine Wartezeit von bis zu drei Monaten einstellen. Dies geht aus einer Anfrage der Abgeordneten Clara West (SPD) an den Berliner Senat hervor.

Keine Lösung

Eine Hoffnung auf verkürzte Bearbeitungszeiten sei nicht in Sicht: „Der Arbeitsaufwand und damit auch die Wartezeiten bei der Anmeldung von Eheschließungen sind aufgrund stark steigender Zahlen der Paare mit Auslandsbeteiligung und Migrationshintergrund gestiegen und werden auch voraussichtlich weiter steigen“, teilt das Bezirksamt mit. Neben der hohen Auslandsrate führt auch der Personalmangel zu Verzögerungen bei der Bearbeitung von Eheanträgen. Die Zahl der Standesbeamten ging von 2012 bis 2016 zurück, sodass Sachbearbeiter kurzfristig zu Standesbeamten ausgebildet werden. Pro Tag würden jeweils zwei Standesbeamte sieben Eheschließungen durchführen, das wären jährlich etwa 125 Trauungen für jeden.

Verglichen mit anderen Bezirken eine geringe Zahl. In Mitte oder Friedrichshain-Kreuzberg kommt es bis zu 200 Zeremonien pro Jahr, in Charlottenburg-Wilmersdorf sogar bis zu 300 pro Standesbeamten. Auch die Wartezeiten variieren je nach Bezirk. In Steglitz-Zehlendorf wird man ab April dieses Jahres bis zu vierzehn Wochen allein schon auf einen Termin warten müssen.

Viele Bezirke bieten noch nicht einmal eine Online-Terminvergabe an. Nur ein Teil der langen Wartezeiten sei auf den Personalmangel zurückzuführen. „Es geht auch um die Organisation der Ämter, die dringend optimiert werden muss“, sagt die Abgeordnete Clara West. Die Idee, ein zentrales Onlineportal für alle Bezirksämter zu entwickeln, wurde bereits im Koalitionsvertrag der SPD festgelegt. Auch eine Verstärkung des Personals sei vorgesehen. „Sinnvoll wäre eine Untersuchung der Abläufe in den Standesämtern wie bei den Bürgerämtern im vergangenen Jahr, um Lösungen zu entwickeln, wie man schneller und unkomplizierter einen Termin auch beim Standesamt bekommen kann“, schlägt West vor.

Marley Lackermann, Bild: imago/Olaf Wagner, Bild: / Getty Images/iStockphoto pumucl