Ehrung für den Pinselheinrich

Museum für Berlins genialen Künstler „Zille“.

Es war am 10. Januar 1858, als Heinrich Rudolf Zille, später nur bekannt als „Zille“ und „Pinselheinrich“ und „Milieuschilderer“, geboren wurde. Der Sohn eines Uhrmachers war er, zum berühmten Künstler wurde er. Er prägt das Bild, das wir vom Berlin um 1900 haben, bis heute. Mit seinen Sprüchen, seinen Witzen und seinen unverkennbaren Zeichnungen. Um die Werke Zilles zu würdigen, wurde am Dienstag, dem 10. Januar, also genau am Geburtstag des Pinselheinrichs, das Zille-Museum im Nikolaiviertel wiedereröffnet. Träger des ausschließlich privat finanzierten Museums ist der neu gegründete „Heinrich Zille-Freundeskreis e.V.“ unter Vorsitz des Schauspielers und Zille-Darstellers Walter Plathe. Weiteres prominentes Gründungsmitglied: Zilles Urenkel Hein-Jörg Preetz-Zille. Der Heinrich Zille-Freundeskreis e.V. sieht sich in der Tradition des 2002 gegründeten Museums, dem einzigen Ort in der Stadt, der an Berlins 80. Ehrenbürger, den Grafiker, Zeichner und Fotografen Heinrich Rudolf Zille, umfassend erinnert. Auf der rund 250 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche werden Zeichnungen, Grafiken und Fotografien aus Heinrich Zilles Schaffen sowie biografische Dokumente gezeigt. Begleitend veranschaulicht ein Film das „Berliner Milljöh“ zu Zilles Lebzeiten.

Kulturelles Erbe bewahren

Das neue Zille-Museum sieht seine vornehmliche Aufgabe darin, einen bedeutenden Teil des kulturellen Erbes Berlins lebendig zu bewahren. Das Museum ist eine Stätte der Begegnung mit einem der bekanntesten Künstler Berlins. Gleichzeitig war Zille ein engagierter Chronist der Großstadt und ihrer sozialen Probleme, die er ungeschminkt, sozialkritisch, aber stets voller Aufmerksamkeit und Mitgefühl für die Verlierer und Verlorenen der Gesellschaft wiedergab. Wechselnde Sonderausstellungen zeigen die enorme Vielfalt des Künstlers. Neben der ständigen Ausstellung zum Leben und Werk von Heinrich Zille ist die Sonderausstellung „Berliner Jören“ mit Exponaten des Meisters zu den von ihm so authentisch dargestellten Kindern des Berliner „Milljöhs“ um 1900 zu sehen. „Vater Zille“ war Patenonkel zahlloser Berliner Kinder. Er zeichnete „seine Kleenen“ ungeschönt, schmutzig, zerlumpt und oft mit blutiger oder laufender „Neese“. Seinen geliebten „Jören“ widmete er den 1908 erschienenen Bildband „Zille. Kinder der Straße“ sowie im Rahmen der Reihe Künstlerhefte die „Berliner Rangen“, ebenfalls 1908 erschienen. Mit seinen Zeichnungen hat Zille über Jahrzehnte identitätsstiftend für Berlin gewirkt. Zilles so gewonnener Ruhm ist noch heute legendär.

Unterstützung erhofft

Das Zille-Museum ist ein Beispiel bürgerschaftlichen und ehrenamtlichen Engagements. Es verfügt über keinen eigenen Sammlungsbestand und ist auf die Unterstützung durch private Sammlungen und öffentliche Institutionen angewiesen. Es erhält keine öffentlichen Mittel und kann sein Überleben nur durch Eintrittsgelder und Spenden sichern. „Wir hoffen stark auf eine nachhaltige Unterstützung durch Politik und Kultur. Vor allem in der öffentlichen Wahrnehmung und Würdigung dieses Ortes und des Künstlers Heinrich Zille als Teil der Berliner und der deutschen Kunst- und Kulturgeschichte. Besonders am Herzen liegen uns dabei die Berliner. Denn die sind – auch unter heute anderen gesellschaftlichen Vorzeichen – immer noch untrennbar mit ‚ihrem Pinselheinrich‘ verbunden“, so Walter Plathe. Das Museum bietet unterschiedliche Führungen an, in denen man sich aus verschiedenen Perspektiven dem Künstler nähern kann (darunter Führungen für Schulklassen sowie Führungen mit Zille-Darsteller Albrecht Hoffmann). Die Buchpremiere der Biografie von Walter Plathe „Ich habe nichts ausgelassen“ am 21. März um 19.30 Uhr bildet darüber hinaus den Auftakt einer lockeren Reihe unterschiedlicher Veranstaltungen im Museum.

sara/red, Bild: Zille-Museum