Der Glaspalast fliegt davon

Pfefferberg-Theater: Die „Märchen unter Glas“ müssen vorzeitig weichen – doch sie kommen wieder.

Der Märchen-Tempel neben dem Theater auf dem Pfefferberg muss früher weg als ursprünglich geplant: Bereits Mitte Januar 2017  wird der gläserne Palast wieder abgebaut. Der Jubel war groß, als die Spielstätte zur Adventszeit öffnete. Ein märchenhafter Ort, der sich gut in das historische Ambiente der denkmalgeschützten Pfefferberg-Architektur einfügte. Jeweils 100 Gäste erlebten im fast immer ausverkauften „Glaspalast“ den Kampf zwischen Gut und Böse der zauberhaften Grimmschen Märchenwelt. Der Beifall für die spielwütigen Akteure des Hexenberg-Ensembles war stets groß, der kleine Palast ein Gewinn weit über den Kiez hinaus.

Fliegende Bauten

Nun verschwindet das Märchenschloss. „Eigentlich wollten wir hier bis in den Februar hinein spielen. Doch wir müssen früher raus. Das ist schade, aber nicht das Ende für den Glaspalast“, sagt Schauspieler Roger Jahnke, der auch Produktionsleiter des Ensembles ist. Der Grund sind die Auflagen für sogenannte „fliegende Bauten“. Das Ensemble hatte mit sechs Monaten gerechnet, doch der Glaspalast darf hier, im ausgewiesenen Denkmalschutzgebiet Pfefferberg, nur drei Monate stehen. Vielleicht hatten sie auf die Kulanz der Denkmalschutzbehörde gehofft, aber Jahnke hadert nicht mit der Entscheidung. „Wir finden für unser Glashaus einen Ort in der Nähe und machen dort weiter“, verspricht er. Er hat ihn schon im Blick, verraten will er aber noch nichts. „Auf alle Fälle bleiben wir mit der Behörde im Gespräch, denn im Spätherbst wollen wir mit dem Glaspalast auf dem Pfefferberg zurück sein“, sagt Jahnke.

Temporär konzipiert

Ohnehin sind Märchen ein Saisongeschäft. Im Winter gehen sie am besten, vor allem in der Advents- und Weihnachtszeit. So war der gläserne Märchenpalast von Anfang an temporär konzipiert. Grundlegende Idee ist eine Spielstätte unterm Sternenzelt, in der das Publikum bei Wind und Wetter, die Scheiben mit Eisblumen beschlagen, behaglich warm in Rapunzels Gewächshaus oder Rotkäppchens Wintergarten sitzt. Viele Kinder und Eltern haben das in den vergangenen acht Wochen gemeinsam erlebt. „Und sie werden es wieder erleben“, ist Jahnke optimistisch.

Gut ausgelastet

Das frühere Aus für die „Märchen unter Glas“ macht das Hexenberg-Ensemble nicht arbeitslos: Das Shakespeare-erprobte Team ist mit „Hamlet“ und Molières „Geizigem“ im 250 Gäste fassenden Saal des Pfefferberg-Theaters gut ausgelastet. Und am 11. Februar hat hier „Der eingebildete Kranke“ Premiere – Märchenstunden der ganz besonderen Art für Erwachsene.

Jürgen Zweigert, Bild: Christoph Bangerter