Unter den Linden soll Flaniermeile werden

Stadtplanung: Die rot-rot-grüne Koalition plant eine fußgängerfreundliche Zone vom Humboldt-Forum bis zum Brandenburger Tor.

Die Metropole New York hat es vor einigen Jahren vorgemacht und verwandelte den berühmten Times Square in eine autofreie Zone. Warum also sollte dieses Konzept nicht auch rund um das Brandenburger Tor umgesetzt werden? Diese Idee kam bei den Koalitionsgesprächen von SPD, Linken und Grünen auf den Tisch. Unter den Linden soll vom Humboldt-Forum bis zum Tor fußgängerfreundlich umgestaltet werden, heißt es in der Koalitionsvereinbarung.

Offen für Taxis und Busse

Dabei geht es in erster Linie um einen verkehrsberuhigten Bereich. „Unter den Linden wird keine reine Fußgängerzone wie beispielsweise die Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg“, sagt Ephraim Gothe (SPD), Stadtrat für Stadtentwicklung in Mitte. Für Busse und Taxis soll der Boulevard weiterhin offen bleiben. Erste Ansätze seien die Ausbreitung der Bürgersteige und die Verlagerung des Verkehrsbereichs auf die Torstraße und Leipziger Straße. Ein genaues Konzept und eine konkrete Zeitplanung stünden bisher noch nicht fest, so Petra Rohland, Pressesprecherin des Senats für Stadtentwicklung. Bei der Umgestaltung spielten auch die laufenden Bauvorhaben der BVG für den Ausbau der U-Bahnlinie 5 eine Rolle. Ein paralleles Arbeiten sei aber durchaus möglich, versichert Gothe: „Die Bauarbeiten der U5 sind schon so weit fortgeschritten, dass wir oberirdisch bereits Fußgängerwege erweitern und neue Linden pflanzen könnten.“

ADAC äußert Kritik

Aus Sicht des Stadtrats sei „Unter den Linden“ eine der vornehmsten Flanierstraßen, ein Anziehungspunkt für Touristen und Berliner. Der ADAC äußert sich jedoch kritisch zu den Plänen der Koalition. „Unter den Linden lebt vom Verkehr, besonders zu den Tageszeiten, an denen kaum noch Menschen zu Fuß unterwegs sind“, so Jörg Becker, Verkehrsleiter beim ADAC Berlin-Brandenburg. Mehr Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer könne auch ohne die komplette Sperrung des Autoverkehrs gewährleistet werden. Außerdem biete die Straße wenig Geschäfte und sei nur zu bestimmten Events, wie zum Beispiel beim „Festival of Lights“, gut besucht. Deshalb hält Becker die Friedrichstraße als typische Einkaufsmeile besser zum verkehrsberuhigten Flanieren geeignet. Diese Meinung teilt Stadtrat Gothe allerdings nicht: „Unter den Linden bietet viele repräsentative Geschäfte, die bereits ein großes Zielpublikum haben. Und die Besucherzahl steigt ständig.“

Marley Lackermann, Bild: Thinkstock/iStock/TBE