Ausflug in Spandaus schönste Wildnis

Umwelt: Das Naturschutzgebiet Tiefwerder Wiesen ist nicht nur in Berlin
landschaftlich einmalig.

Wie können wir wilde Natur mitten in der Stadt ermöglichen und welchen Wert hat sie? Dieser Frage gingen Kommunalvertreter, Wissenschaftler und Naturschutzorganisationen bei der Fachtagung „Perspektiven für Wildnis in der Stadt“ in Frankfurt/Main nach. Geladen hatte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) zum Abschluss ihres zweieinhalbjährigen Projekts „Wildnis in der Stadt“. Neben Arnsberg, Gelsenkirchen und Leipzig war auch Spandau Teil dieses wissenschaftlichen Projekts.

Erfolgreiche Renaturierung

Die gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen wurden in einer Broschüre veröffentlicht. „Spandau ist aufgrund seiner vielfältigen, innovativen Naturschutzprojekte berlinweit bekannt. Zudem handelt es sich um den einzigen Bezirk, der über fünf Jahre ein umfangreiches Renaturierungsprojekt gestartet und erfolgreich umgesetzt hat“, erklärt Enrico Hübner vom Umwelt- und Naturschutzamt. „Die Tiefwerder Wiesen sind durch ein gut ausgebautes Wege- und Stegesystem erschlossen und werden von vielen Besuchern positiv angenommen. Hier ist ein Naturerlebnis in nahezu allen Bereichen möglich. Die Stege werden demnächst in weiten Teilen saniert und erneuert.“

Seltenheitswert

Bereits heute ist das Gebiet als Landschaftsschutzgebiet geschützt und soll in Teilen als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden. Im Rahmen der bestehenden Schutzgebietsverordnung sind die Pflegemaßnahmen festgelegt, und deren Erfolg wird laufend durch ein Gutachten in Zusammenarbeit zwischen Bezirk und Senatsverwaltung begleitet. Ziel ist es, den naturschutzfachlichen Wert der Flächen für kommende Generationen zu schützen und zu verbessern, da solche Flächen absoluten Seltenheitswert nicht nur in Berlin, sondern auch deutschlandweit haben.

Einmalige Landschaft

Der Naturraum der Tiefwerder Wiesen sei einmalig im Berliner Stadtgebiet. Eine Kombination aus Naturerlebnis und moderner Besucherlenkung fände sich jedoch auch in anderen Teilen der Stadt, so Enrico Hübner. In Spandau wäre beispielsweise die Wiesenlandschaft Gatow für ein vergleichbares Wildnis-Projekt geeignet. Hier bemühe sich das Bezirksamt bereits seit mehreren Jahren, die Flächen zu übernehmen, was bislang jedoch an Abstimmungsschwierigkeiten mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) scheitere. Im Rahmen des „Mobile-Tagging-Rundweges“ in den Tiefwerder Wiesen wurde parallel zu der Broschüre „Perspektiven für Wildnis in der Stadt“ ein aktueller Flyer entwickelt. Er ist beim Umwelt- und Naturschutzamt Spandau erhältlich und kann im Internet runtergeladen werden.

Anke Walter, Bild: imago/Jürgen Ritter