Viel Müll und keine Täter

Umwelt: Riesige Müllmengen werden in den Berliner Forsten entsorgt.

Unzählige Autoreifen, Bauschutt, Fahrradschrott und viele tausend Pappbecher, Flaschen, Zigarettenkippen und leere Getränkebüchsen werden Jahr für Jahr in den Berliner Wäldern illegal entsorgt oder einfach achtlos liegen gelassen. 1.500 Kubikmeter Müll kommen dabei durchschnittlich zusammen – eine Menge, die für rund 200 Lkw reicht und für deren Entsorgung der Steuerzahler jährlich mehr als 70.000 Euro allein an Sachkosten hinblättern muss. In den meisten Fällen ist es sogenannter „Erholungsmüll“, der bei Aufräumarbeiten an den attraktivsten Erholungszielen an den Gewässern der Stadt gesammelt wird. „Vor allem Müll in Folge der Freizeitnutzung und nach nächtlichen Parties in siedlungsnahen Wäldern und Waldparkplätzen macht den Hauptanteil aus“, erklärt Petra Rohland, Pressesprecherin bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz.

Betroffene Waldgebiete

Besonders betroffen seien die Wälder um Köpenick, am Allendeviertel, um den Heiligensee und in Konradshöhe, aber auch die Königsheide, die Köllnische Heide, der Hüttenweg und die Teufelsseechaussee im Grunewald zählt die Pressesprecherin auf. Bemerkenswert dabei: Nicht ein einziger Verursacher der Müllhaufen konnte in den Jahren dingfest gemacht werden. „Dem Senat liegen keine Erkenntnisse über ermittelte Täter im Falle strafrechtlich relevanter Abfallentsorgungen vor“, heißt es in einer Senatsantwort an den Abgeordneten Stefan Förster (FDP) Mitte November zu diesem Thema.

Auf deutsch: 200 Lkw-Ladungen mit Müll können jährlich ganz straffrei in den Berliner Wäldern ausgekippt werden, ohne dass irgendjemand dabei erwischt wird. „Eine solche Aufklärungsquote finde ich geradezu erschütternd“, erklärte Förster nun, als er diese Senatsantwort in den Händen hielt. Brisant dürfte der Aspekt der Aufklärungsquote ganz aktuell mit der neuen Gesetzeslage zur Behandlung von Bauabfällen werden. Viele der in riesigen Mengen bei Bausanierungen anfallenden Dämmstoffe dürfen in Zukunft nämlich nur noch in speziell dafür vorgesehenen Anlagen entsorgt werden. Diese gibt es aber noch gar nicht in genügender Zahl und die Entsorgungspreise steigen aktuell um bis zu 1.000 Prozent. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis auch diese Vorfälle illegaler Schuttablagerungen in Berliner Wäldern zunehmen werden.

Schlechte Quoten

Das sei gegenwärtig aber noch reine Spekulation, merkt Thomas Neuendorf, stellvertretender Pressesprecher bei der Polizei an. „Ermittlungen bei den Abfallentsorgungen sind immer dann schwierig, wenn es sich um alltägliche Stoffe handelt, wie zum Beispiel Asbestplatten oder Kühlschränke, die über keine Individualkennzeichen verfügen“, merkt Neuendorf an. Entsprechende Zeugenaussagen zu den oft abgelegenen Entsorgungsorten seien daher sehr selten. Die Aufklärung bei Delikten im gewerblichen Bereich und in den Fällen, in denen Kraftfahrzeuge als Abfall entsorgt werden, seien hingegen einfacher. Hier setze man schließlich auf Prävention. „Die muss im Umweltbereich täterorientiert erfolgen. Umwelterziehung, die bereits von vielen gesellschaftlichen Akteuren mit hohem Einsatz und erfolgreich durchgeführt wird, kann dabei helfen“, so der Pressesprecher.

Stefan Bartylla, Bild: Archiv / Anne Langert