Die Not kommt mit der Kälte

Obdachlosigkeit: An kalten Tagen stößt die Kältehilfe an ihre Grenzen.

105.000 Übernachtungen obdachloser Menschen betreute die Berliner Kältenothilfe während der Kältemonate zwischen November 2014 und März 2015. Genaue Zahlen, wie viele Menschen in Berlin als Obdachlose in Parks, unter Brücken, in U-Bahn-Höfen und leeren Gebäuden schlafen müssen, gibt es nicht. Es sollen nach Schätzungen des Senats bis zu 6.000 Personen sein, die überhaupt kein Obdach für den tagtäglichen Schutz vor Nässe und Kälte finden können. Immer wieder ins öffentliche Bewusstsein geraten diese Menschen besonders, wenn nach sehr kalten Nächten Todesfälle durch Erfrierungen bekannt werden.

Nicht ausreichend

Eigenen Angaben zufolge muss die Berliner Stadtmission, die diese Menschen in den kalten Monaten mit bis zu 45.000 Übernachtungen versorgt, in den Frostnächten bis zu 350 Menschen abweisen, weil die 220 Schlafplätze in den eigenen Einrichtungen bei weitem nicht ausreichen. Auch die gerade einmal 700 Übernachtungsplätze, die in allen 17 Einrichtungen der Kältehilfe in der Winterzeit in ganz Berlin zur Verfügung stehen, werden nicht genügen, um alle Bedürftigen mit einem warmen Platz zu versorgen. Schätzungen gehen davon aus, das auch in diesem Winter mindestens doppelt so viele Obdachlose draußen schlafen müssen, wie die, die einen Schlafplatz in einer der Notübernachtungen finden werden. Die glücklichen Menschen, die Einlass finden, erwartet dennoch alles andere, als eine bequeme Unterkunft. Mit 10, 20 oder sogar 60 Menschen in einem Raum gepfercht, müssen viele meist auf dem blanken Fußboden in oft schlecht beheizten Räumen schlafen, die sie am nächsten Morgen pünktlich um 8 Uhr wieder verlassen müssen. Dennoch sind diese Notunterkünfte für viele oft die letzte Rettung in ihrem persönlichen Kampf gegen den Hunger und die Kälte. Wer in den kommenden Wochen hilflose Menschen ohne Obdach entdeckt, findet in der Kältehilfe trotz genannter Probleme den geeigneten Ansprechpartner für Hilfe. Täglich von 19 bis 23 Uhr können unter dem Kältehilfe-Telefon hilfslose Menschen – oder auch Wohnmöglichkeiten gemeldet werden. Wer mit Spenden für diese gute Sache weiterhelfen möchte, findet auch im Internet geeignete Möglichkeiten.

Spezielles Angebot

Eine ganz besondere Gelegenheit der Hilfeleistung für obdachlose Menschen hat der motz & Co. e. V. im Angebot. Hier kann eine Patenschaft für ein Bett in einer Notübernachtung des Vereins übernommen werden. Das Projekt „Bett im Warmen“ braucht drei Euro pro Nacht und Bett, um einen würdigen Schlafplatz für Wohnungslose bereit zu halten. Der Clou: Das gesponserte Bett in der Einrichtung in der Neuköllner Weserstraße kann von den Spendern nach telefonischer Anmeldung jederzeit in Augenschein genommen werden.

Kontakte

Informationen zu diesem Angebot finden sich auf der Internetseite des gemeinnützigen Vereins

www.motz-berlin.de
www.kaeltehilfe-berlin.de

Kältehilfe-Telefon: (030) 810 560 425

Stefan Bartylla, Bild: Thinkstock/iStock/KatarzynaBialasiewicz