„Olli“ fährt selbst

Innovation: Auf dem Euref-Campus ist der erste autonom fahrende Bus Berlins unterwegs.

Autonomes Fahren wird schneller kommen, als viele vielleicht meinen. In Berlin ist erstmals auf dem Euref-Campus am Schöneberger Gasometer ein autonom fahrender Bus unterwegs. Auf dem Privatgelände begann dort der Testbetrieb von Olli, ein Elektrobus des US-Start-ups Local Motors. Die Deutsche Bahn ist gemeinsam mit dem Forschungszentrum InnoZ an dem Pilotprojekt beteiligt und treibt hier seine Zukunft jenseits der Schienen voran. Schiene und Straße gehören künftig zusammen, weiß DB-Vorstandschef Rüdiger Grube. Bahn-Reisende sollen künftig über ihr Smartphone Olli oder andere autonome Fahrzeug buchen, die bringen sie dann zum Beispiel vom Bahnhof nach Hause, so die Vision. „Autonome Fahrzeuge werden den Mobilitätsmarkt revolutionieren, weil Kunden damit öffentliche Verkehre genau dann nutzen können, wenn sie das Angebot brauchen“, sagt Grube.

Kostenlose Buslinie

cr_lvs_bus_olli_02Von Kinderkrankheiten neuer Technologien ist natürlich auch Olli nicht ganz gefeit. Reflektoren in einer Bodenwelle zur Verlangsamung des Verkehrs können das schreckhafte Gefährt schnell mal zu einer Vollbremsung bewegen. Ansonsten kennt Olli seinen Weg längst in- und auswendig, er weiß, wo es um die Ecke geht oder wo er wenden muss. Start ist zu jeder vollen Stunde vor dem Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel, von dort geht es zum Wasserturm und zum Campus-Eingang. Montags bis freitags fährt Olli um 9 und 17 Uhr auf dem Campus seine Runde, bei einem Tempo von sechs bis neun Stundenkilometern. Mit 30 Sensoren aus Radarsystemen oder Laserscannern checkt Olli permanent seine Umgebung, immer bereit für eine Vollbremsung oder ein Ausweichmanöver bei Hindernissen. Mitfahren darf jeder auf dem Gelände kostenfrei. „Wir gewinnen hier viele erkenntnisreiche Nutzerkommentare, die wir in die laufende Entwicklung mit aufnehmen“, sagt Local-Motors-Europa-Chef Wolfgang Bern. Das futuristische Gefährt auf dem Euref-Campus ist gerade mal vier Meter lang und bietet acht Personen Platz. In Treptow sollen künftig weitere Ollis in einer von Local Motors angemieteten Halle gebaut werden, laut früheren Berichten 50 an der Zahl im Jahr 2017.

Viele Einsatzmöglichkeiten

Für Gernot Lobenberg von der landeseigenen Agentur für Elektromobilität ist das Projekt Olli das spannendste seiner Art in diesem Bereich. Für den Bus aus Treptow sieht er viele Einsatzmöglichkeiten: auf dem heutigen Tegeler Flughafengelände, im Klinikum Buch oder in der City West. Schon im Jahr 2017 sind die ersten Pilotprojekte im öffentlichen Raum geplant.

red, Bilder: Deutsche Bahn AG