Kein Schnaps in Kinderhände

Minderjährige Testkäufer beweisen: So leicht kommen Jugendliche an Alkohol Minderjährige Testkäufer beweisen: So leicht kommen Jugendliche an Alkohol.

Vor drei Jahren hatte der damals zuständige SPD-Stadtrat Oliver Schworck dem Alkoholmissbrauch durch Jugendliche im Bezirk den Kampf angesagt. Minderjährige sollten testen, ob sie in Supermärkten ohne Beanstandung Bier und Schnaps kaufen könnten. Das Ergebnis war erschreckend: „So gut wie niemand hat sich an das Jugendschutzgesetz gehalten“, sagt die neue grüne Stadträtin, Christiane Heiß. Bis heute nicht. Trotzdem will sie die Testkäufe von Schworck übernehmen. Als Stadträtin ist sie auch für das Ordnungsamt, das die Kontrollen durchführt, zuständig.

Appelle wenig gegriffen

Obwohl das Personal an den Kassen der Supermärkte häufig die Ausweise verlange, würde doch immer wieder Alkohol an Jugendliche unter 18 Jahren verkauft. „Hier wünsche ich mir eine klare Anweisung der Geschäftsführung, den Jugendschutz ernst zu nehmen und umzusetzen“, sagt Heiß. Doch haben Appelle wie diese bereits bei ihrem Vorgänger Schworck offensichtlich wenig gegriffen. „Neben der Kontrolle des Verkaufsverbots bleibt daher die Aufklärung der Jugendlichen in Schulen und Jugendfreizeiteinrichtungen die zweite Säule des bezirklichen Jugendschutzes“, so die Stadträtin.

Teurer Spaß

Bei den jüngsten Kontrollen im Oktober und November 2016 im Schöneberger Norden waren etwa 70 Prozent der 16-jährigen Tester bei ihren Schnaps-Käufen erfolgreich. Die Missachtung des Jugendschutzes kann für die Verkäufer und die jeweilige Geschäftsleitung ein teurer Spaß werden. Gegen sie wird ein Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet und im Wiederholungsfall drohen den Supermärkten, Discountern oder Spätis Geldbußen bis zu 50.000 Euro.

Kontrollen verstärken

Das gewissenlose Verhalten des Handels kann Heiß nicht nachvollziehen. „Vor allem, weil es sich häufig um Wiederholungstäter handelt.“ Aufgrund der erneut desaströsen Ergebnisse will sie die Kontrollen verstärken. „Wenn sich die Alkohol-Testkäufe durch Minderjährige herumsprechen, werden sicher einige Händler ihre Praktiken überdenken.“ Ob sie damit tatsächlich das gesetzeswidrige Verhalten der Geschäfte ändern kann, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

Daniel Seeger, Bild: Getty Images/iStockphoto/Katarzyna Bialasiewicz