Baustopp am Mariendorfer Weg

Stadtplanung: 600 Wohnungen liegen auf Eis, weil gegen den Denkmalschutz verstoßen wurde.

Der Grundstein für das neue Wohnquartier Marienpark mit 600 Wohnungen, Kita und Familienzentrum auf dem sechs Hektar großen Gelände der ehemaligen Frauenklinik am Mariendorfer Weg ist gelegt. Sandberge türmen sich, die Sanierungsarbeiten an den denkmalgeschützten Klinikgebäuden haben begonnen. An deren Höhe sollen sich auch alle anderen Neubauten orientieren. Einzige Ausnahme wird ein Wohnturm mit 21 Stockwerken an der Ecke zur Eschersheimer Straße sein. Aber jetzt liegt das gigantische Projekt erst einmal auf Eis: Baustopp, weil bei der Sanierung der drei denkmalgeschützten Kerngebäude historische Fenster ausgebaut und vernichtet wurden.

Fenster vernichtet

Es habe eine klare Vereinbarung mit dem Investor und Bauherrn, der Avila-Unternehmensguppe, gegeben. Die historischen Fenster sollten erhalten bleiben. Trotzdem habe das Unternehmen etwa 350 Fenster des ehemaligen Verwaltungs- und Entbindungshauses der Klinik vernichtet. „Das hätte nicht passieren müssen. Ein Baustopp wäre bei einer engeren Abstimmung durchaus vermeidbar gewesen“, sagt Stadtentwicklungs-Stadtrat Jochen Biedermann (B‘90/Grüne). Nun hat sich der Denkmalschutz auf Kompromisse eingelassen, damit der Bau der Wohnungen fortgeführt werden kann.

Lösungen gesucht

In der vergangenen Woche fand bereits ein Gespräch zwischen Bezirksamt und Investor statt, um eine Lösung zu finden. Nach Wunsch des Bezirksamts wird nun versucht, die Fenster nach historischem Muster detailgetreu zu rekonstruieren. Weiterhin finden fortlaufende Abstimmungsprozesse statt, zum Beispiel zum Erhalt und der Sanierung der alten Böden und Treppen. Durch den Baustopp kann unser Terminplan nicht mehr eingehalten werden. Aber der Denkmalschutz geht natürlich vor“, so Thorsten Eckert von der AVILA- Unternehmensgruppe. Zudem müssten die Architektenpläne noch an die Vorstellungen der Denkmalschutzbehörde angepasst werden, was ebenfalls Zeit koste. Der Investor rechnet mit einer deutlichen Kostensteigerung, vor allem durch mehr Arbeitszeit der Firmen und verspätete Mieteinnahmen. Eckert hofft, dass es trotz der Auflagen zügig vorangeht und mit dem Bezirksamt ein gemeinsamer Weg gefunden wird, mit dem alle zufrieden sind. „Wir haben etwas zu voreilig gehandelt, so ein Kommunikationsfehler wird zukünftig nicht noch einmal pasieren“, verspricht Eckert. Auch das Bezirksamt wird im weiteren Verlauf besser aufpassen und ein Auge auf die Baumaßnahmen und die Einhaltung des Denkmalschutzes werfen.

Marley Lackermann, Bild: Avila