Radfahren in den Sälen von Wirtshäusern

Jubiläum: Spandauer Radsportverein 1891 e.V. schaut auf 125 Jahre zurück.

Im November feierte der Spandauer Radsportverein 1891 e.V. sein 125-jähriges Jubiläum. Er setzt sich aus den Sportarten Kunstrad- und Rennradfahren zusammen. Sehr erfolgreich ist der Verein auch mit seinem buchbaren Showprogramm, das talentierte Sportler mit akrobatischen und Aufsehen erregenden Kunststücken auf zwei Rädern zeigt. „Es gibt nur wenige Vereine, die in Berlin Kunstradfahren anbieten“, erzählt Sabrina Makowski, Geschäftsführerin vom Spandauer Radsportverein 1891, „Die Hochburg des Kunstradfahrens ist Nordrhein-Westfalen und Süddeutschland.“

Große Familie

1902 hatte das Fahrrad etwa die gleiche Bedeutung wie heute das Auto. Es war ein Luxusgegenstand, den sich nicht jeder leisten konnte. Hallenradsport hieß Saalradfahren, denn auch Sporthallen kannte niemand. Übungsstätten waren meistens Säle in den Wirtshäusern. Das erste Fahrrad war erst einige Jahre erfunden und entwickelte sich rasant. Zunächst war es nur ein Laufrad, mit Abstoßen auf dem Boden. Räder mit großem Vorderrad und kleinem Hinterrad kamen. Kette, Pedalen, Luftreifen waren beachtliche Entwicklungen. Diese machten das Fahrrad auch erst vom Fortbewegungsmittel zum Sportgerät. „Ausfüllung der Winterabende, Beherrschung des Rades, Bindemittel Gleichgesinnter, Selbstbeherrschung, Schulung des Körpers, des Geistes und der Seele“ steht in alten Radbüchern und waren Ansichten. Autos gab es noch keine und so war das Fahrrad das Fortbewegungsmittel. Die Radfahrer-Vereine entwickelten sich meistens, um gemeinsame Ausfahrten und Umzüge zu unternehmen. Das ist auch noch heute so. „Die 32 Vereinsmitglieder sind wie eine große Familie. Wir treffen uns regelmäßig auch privat, um Ausflüge zu machen – ins Tropical Island zum Beispiel oder zu Geburtstagen“, erzählt die Geschäftsführerin.

Buchbare Shows

Auf die buchbaren Shows und auf die Zirkusartisten ist sie stolz: „Wir bilden auch Zirkusartisten aus und geben ihnen wertvolle Tipps. Inzwischen sind wir auch auf internationalem Parkett unterwegs und trainieren englischsprachig Artisten aus Australien und Italien.“ Die Shows sind unter anderem geeignet für Sportevents, Sportlerbälle, Ehrungen, Straßenfeste und Filmproduktionen. „Leider haben wir keine Männer, die Kunstradfahren. Männer sind nur in der Rennradabteilung zu finden“, bedauert Sabrina Makowski. Dabei ist das Einer-Kunstradfahren der Männer die älteste Disziplin im Kunstradfahren. Schon 1892 wurden die ersten Wettbewerbe ausgetragen. Die mit Abstand erfolgreichste Nation ist Deutschland.

Anke Walter, Bild: Mareike Czeninga