Das große Nagen

Tierwelt: Biber-Familie frisst sich durch den Winter.

Im Großen Tiergarten, Berlins größtem Stadtpark, sind die Biber wieder aktiv. 20 Bäume sind im vergangenen Jahr wegen der Nager umgefallen. Deshalb sind sie gar nicht gern gesehen. Doch von den pelzigen Holzfällern gehe keine Gefahr aus, sagt Berlins Wildtierexperte Derk Ehlert.

Territoriale Tiere

cr_lvs_titel_mi-wd-ti_49_2Dass Biber im Tiergarten leben, ist nichts Neues. Doch nur selten nehmen Menschen Notiz davon. „Auf der Suche nach Nahrung knabbern die Biber jetzt, mit Beginn der Winterzeit, die Bäume im Tiergarten an“, sagt Derk Ehlert. Das sorgt für Ärger. Biber sind reine Vegetarier, sie fressen ausschließlich Gräser und Kräuter. Im Sommer können sie sich also am Boden ernähren, im Winter sehen sie es auf die dünnen Äste und Knospen oben in den Baumkronen ab. Seit ungefähr drei Jahren wird eine Biber-Familie im Tiergarten vermutet. Die Nager sind sogenannte „territoriale Tiere“, sie dulden keine fremden Artgenossen in keinem Revier, leben monogam und akzeptieren in ihrer Familie nur Kinder und Kindeskinder. „Eine Invasion der Biber im Tiergarten ist also nicht zu erwarten“, sagt Ehlert. Im vergangenen Jahr wurden drei Tiere gleichzeitig gesichtet, demnach könnten in diesem Jahr einige Biberkinder mehr zur Familie im Tiergarten gehören. Eigentlich seien die Stadtparks für Biber eher suboptimale Lebensräume, sagt Ehlert. „Weil sie sich besser zernagen lassen, mögen die Tiere Weichhölzer wie Weiden oder Pappeln.“ Davon gibt es in Berlin nicht viele und trotzdem haben die Biber sich Berlin als Lebensraum zurückerobert.

cr_lvs_titel_mi-wd-ti_49_1100 Exemplare leben mittlerweile wieder in der Hauptstadt, unter anderem im Schlosspark Charlottenburg und im Treptower Park. Sie stehen unter Artenschutz, dürfen also weder eingefangen noch umgesiedelt werden. Dafür sieht Derk Ehlert auch keinen Grund. Sich mit der Natur arrangieren, lautet die Devise. Und da mache das Bezirksamt Mitte lobenswerte Arbeit. Das Schnittgut der Bäume, die ohnehin gefällt werden müssen, wird nicht säuberlich weggeräumt, sondern einfach liegengelassen. Daran können sich die Biber dann satt fressen. „Biber sind faule Tiere. Wenn die Nahrung zu ihnen kommt, ersparen sie sich die Knabberei“, sagt Ehlert. Kein Wunder: Um einen normalen Baum mit einem Meter Umfang zu zernagen, ist ein Biber bis zu sechs Tage beschäftigt. Eine weitere Alternative, die bereits im Schlosspark Charlottenburg sowie in vielen Parks in Brandenburg erfolgreich angewendet wird, ist das Einzäunen der Stämme mit einem Estrich-Draht.

Wildtiere beobachten

Biber schwimmen über die Spree und den Landwehrkanal direkt in Berlins Parks. Sie zu verjagen, macht also wenig Sinn. Vielmehr sollte man sich daran erfreuen, dass eine Metropole Heimat für wilde Tiere sein kann. Im Tiergarten lassen sich die fleißigen Nager sehr gut beobachten. „Am besten in den späten Nachmittagsstunden hinter dem Café am Neuen See“, verrät Ehlert. Im Winter ist es schwieriger, weil es so früh dunkel wird und Biber erst abends und nacht aktiv werden.

Sara Klinke, Bild: Thinkstock/iStock/MyImages_Micha