Neue Pläne für Tauentzien und Kudamm

City West: Eigentümer und Anlieger investieren in eine Schönheitskur für die Einkaufsmeile.

Das KaDeWe macht es vor: Haupteingang und Fensterfront sind denkmalgerecht umgestaltet, bodentiefe Fenster, Rundbögen wie zur Eröffnung 1907. Die erste Etappe des mehrjährigen, groß angelegten Umbaus des weltberühmten Luxus-Kaufhauses ist geschafft. Aber in seinem Umfeld ist alles beim alten geblieben. Seit Jahren gibt es Pläne, den Tauentzien und Teile des Kudamms attraktiver zu gestalten. Passiert ist bisher nicht viel.

Schönheitskur

Jetzt reicht es den Anliegern und Geschäftsleuten. Sie wollen nicht länger tatenlos zusehen, wie der Tauentzien zwar hier und da etwas aufgehübscht, aber nicht durchgängig verschönert wird. Kürzlich stellte die AG City ihre Pläne für eine Schönheitskur der gut vier Kilometer langen Einkaufsmeile vor. Der Mittelstreifen wird neu gepflastert, Kioske mit Außengastronomie sollen aufgestellt sowie Hecken, Gehölze und Kübel platziert werden, deren Bepflanzung jahreszeitlich wechselt. Die Kosten für diese Vorhaben sowie für Pflege und Reinigung liegen bei fast neun Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren.

Anlieger zahlen

Der Clou: Das Geld wird von Eigentümern und Anliegern entlang des Boulevards über eine Zwangsabgabe privat aufgebracht. Grundlage dafür ist das seit 2014 geltende Berliner Immobilien- und Standortgemeinschaftsgesetz (BIG), nach dem sich Grundstückseigentümer in Geschäftsstraßen zu „Standortgemeinschaften“ zusammenschließen können. Ihr Ziel ist es, Straßen, Geschäfte und Gebäude attraktiv aufzuwerten und so eine Wohlfühlatmosphäre für dann hoffentlich auch kaufwillige Kunden zu schaffen. Dafür sollen alle Grundstücksbesitzer zahlen. Nach dem neuen Gesetz eben auch jene Anlieger, die sich bisher aus der Finanzierung solcher Aktivitäten ausgeklinkt hatten. „Eine Initiative von Eigentümern für Eigentümer mit Gewinn für alle“, sagt AG City-Chef Klaus-Jürgen Meier. „Erfreulich ist, dass die Zahler selbst entscheiden können, was mit ihrem Geld geschieht.“ Sollte etwa eine Maßnahme von einem Drittel der Abgabepflichtigen abgelehnt werden, gilt sie als gescheitert.

Kritik von Radfahrern

Wieder mal ist ein Anfang für einen schöneren Tauentzien gemacht. Noch vor Weihnachten will die AG City die Pläne dem federführenden Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf vorlegen. Dann wird geprüft, garantiert nachgebessert. Kritik gibt es jetzt schon von der Initiative Radbahn: Es sei kurzsichtig, die wirtschaftliche Bedeutung der Radinfrastruktur zu vernachlässigen. Deshalb fordert sie eine Trasse für Radler auf dem Mittelstreifen. Es wird also noch dauern, bis der Umbau beginnt.

Jürgen Zweigert, Bild: C.Müller J.Wehberg Garten- und Landschaftsarchitekten