Bürger und Eigentümer wollen Kopfsteinpflaster

Straßenbau: Umfrage im Dichterviertel liefert eindeutiges Ergebnis.

Der Streit um das Kopfsteinpflaster im Dichterviertel geht in die zweite Runde. Bei einer Befragung unter den Anwohnern des Lichtenrader Dichterviertels haben sich nun in einer Umfrage des Tempelhof-Schöneberger Bundestagsabgeordneten Jan-Marco Luczak (CDU) zwar 82 Prozent für eine Straßensanierung ausgesprochen. Diese allerdings in Verbindung mit dem Erhalt des Kopfsteinpflasters. „Das Votum für den Erhalt des Kopfsteinpflasters ist eindeutig“, sagt Luczak.

Befürchtungen der Anwohner

Mit der Resonanz ist der 41-Jährige äußerst zufrieden: „Viele Anwohner fürchten, mit einer Asphaltierung würde der Verkehr erheblich beschleunigt und Ausweichverkehr angelockt. Diese Sorge kann ich als Lichtenrader sehr gut verstehen“, sagt der 41-Jährige. Insgesamt 464 Anwohner haben sich demnach an der Umfrage des Bundestagsabgeordneten beteiligt. Die Ergebnisse hat er jetzt persönlich der Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) übergeben. Vorausgegangen ist vor einigen Wochen ein anonymes Flugblatt unmittelbar vor den Kommunalwahlen, das Bürger zu Wutbriefen über die schlechten Straßen an das Bezirksamt, an Politiker und Presse animierte (das Abendblatt berichtete). Vor allem über das Kopfsteinpflaster ärgerten sich insbesondere Autobesitzer und Fahrradfahrer – in den Briefen geriet auch Luczak unter Beschuss, er gilt als Verfechter des „dörflichen Charmes aus anno 1900“.

Wenig Gegenliebe für seine Umfrage bekommt Luczak von der SPD-Fraktion im Bezirksparlament, für sie sei das „populistischer Aktionismus“. Stein des Anstoßes ist hier vor allem Luczaks Forderung an die Bürgermeisterin, dass im nächsten Haushalt Mittel für die Sanierung der Straßen bereitgestellt werden müssen. Wegen der angespannten finanziellen Situation könnten die Bezirke im Rahmen ihrer Möglichkeiten nur kleine Reparaturen und Maßnahmen zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit leisten, sagt der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion Christoph Götz. „Der Abgeordnete sollte die Situation kennen oder hätte bloß seinen Parteifreund Ex-Stadtrat Krüger kontaktieren brauchen – und dort sicherlich eine Aussage zu den Möglichkeiten des Bezirks erhalten.“ Luczak solle sich vielmehr auf seine Arbeit im Bund konzentrieren, beispielsweise auf das von CSU-Verkehrsminister Dobrindt gestoppte Projekt für den Lichtenrader Tunnel für die Dresdner Bahn.

Umfrage der Eigentümer

Neben Luczak hatte ebenso der Grundeigentümerverein Berlin-Lichtenrade die Idee einer Umfrage, hier wurden die etwa 3.000 Vereinsmitglieder befragt. Wenig überraschend fordern auch diese zu 90 Prozent eine Sanierung, zwei Drittel der Befragten wollen dabei allerdings den Erhalt des Kopfsteinpflasters.

Daniel Seeger, Bild: Christian Schulze