Im Rollstuhl gegen die Ballzauberer

Die weltberühmten Harlem Globetrotters trainieren mit behinderten Reinickendorfer Schülern.

Sportlehrer Henry John dreht die Musicbox lauter. Die Cheerleader laufen zur Höchstform auf. Dann sortiert sich das Gewusel auf dem Parkett. Die körperbehinderten Jungs und Mädchen der Toulouse-Lautrec-Schule gruppieren sich in ihren Rollis um El Gato Melendez. Aufgeregt ruckeln Julian Vogel, Leo Preuß, Florian Tuller und die anderen ihre Rollstühle vor und zurück. Am anderen Ende der Halle absolviert Cheese Chisholm ein Aufwärmtraining mit Schülern der Borsigwalder Grundschule. Rasend schnell balanciert er den Ball – anschieben, dribbeln, rein in den Korb!

Wie ein Lottogewinn

Basketball-Showtime in der weitläufigen Sporthalle an der Reinickendorfer Miraustraße. Zu Gast sind die Nummern 11 (Cheese) und 39 (El Gato) der Harlem Globetrotters – zwei Ballkünstler des wohl außergewöhnlichsten Basketballteams der Welt. „Beide hier zu haben, ist fast wie ein Sechser im Lotto“, freut sich Uta Eling, Direktorin der Toulouse-Lautrec-Schule. „Ein toller, mutmachender Ansporn für die Kinder, ein wichtiges Stück Inklusion für alle.“ Ihre Kollegin der Borsigwalder Grundschule, Roza Gerlach, ergänzt: „Das Training mit diesen berühmten Ballprofis stärkt das Gemeinschaftsgefühl und ist gewiss eine bleibende Erfahrung.“ Indessen bringen Cheese und El Gato mit spektakulären Tricks, wilden Dribblings, Breakdance-Einlagen und clownesker Akrobatik Spieler und Zuschauer zum Lachen. „Genau das wollen wir, Kinder und Familien gut unterhalten und ihnen ein Lächeln auf die Lippen zaubern“, sagen sie. Das gelingt ihnen souverän. Beide sind derzeit auf Promotiontour, werben für die Welttournee der Harlem Globetrotters im nächsten Jahr. Im Frühjahr 2017 absolvieren sie 14 Auftritte auch in deutschen Städten. Am 6. Mai wird in der Berliner Max-Schmeling-Halle über die athletischen Entertainer gejubelt.

Weit gereiste Stars

cr_lvs_re_harlem3Die „Weltenbummler“ haben in den 90 Jahren ihrer Existenz die Welt gesehen, sechs Kontinente durchquert, in 130 Ländern mehr als 150 Millionen Menschen begeistert. Zwar heben sie mit ihren Würfen oft in ungeahnte Höhen ab, doch sie haben die irdischen Nöte nicht vergessen. Als Botschafter des guten Willens engagieren sie sich für soziale Projekte, vermitteln Kindern und Jugendlichen im sportlichen Spiel Grundwerte des Zusammenlebens. Mit rasanten Einlagen im „Magic circle“ verabschieden sich Cheese und El Gato von ihren kleinen und großen Fans. „Ein tolles Erlebnis, das dem Rollstuhl-Basketball weiteren Auftrieb geben wird“, hofft Sportlehrer John. Dann rennt er los, um sich ein Autogramm zu holen…

Text und Bilder: Jürgen Zweigert