Dreieck der Hoffnung

Verkehr: Autobahnbau in Neukölln wurde optimistisch begleitet.

Es ist das Jahr 1997 und das BER-Desaster noch in weiter Ferne, als das Berliner Abendblatt enthusiastisch über die Bauarbeiten am Dreieck Neukölln berichtet. „Zeitplan für den Stadtring und die geplante A 113 steht fest“, titelt das Abendblatt in jener Zeit und nennt Details für die A 113: „Die Späthstraße soll im Jahr 2002 erreicht werden, bis Rudow-Ost reicht die Trasse im Jahr 2005 und bis zur Landesgrenze anno 2006“, schreibt der damalige Autor mit einer heute ungewöhnlich wirkenden Sicherheit. Die Querelen um den Weiterbau der A 100 vom Dreieck Neukölln nach Treptow und womöglich sogar bis nach Lichtenberg lagen vor 19 Jahren noch in weiter Ferne.

Unerwartetes Tempo

Während der BER, der mit der Autobahn angebunden werden sollte, noch immer auf sich warten lässt, ist die A 113 seit 2008 fertig – und wurde trotz einiger Verzögerungen gerade beim letzten Bauabschnitt streckenweise sogar schneller gebaut als angedacht. Auch auf dem Neuköllner Teil der als Berliner Stadtring bezeichneten A 100 rollen längst Fahrzeuge. In den Augen vieler Experten sind die beiden Autobahnen, über deren Bau das Abendblatt damals so umfassend berichtete, ein wahrer Segen. „Kein Mensch kann sich nur ansatzweise vorstellen, wie die Verkehrssituation in Neukölln und Umgebung heute aussehen würde, hätten wir die A 100 im Verbund mit der A 113 nicht“, meint etwa Jörg Becker vom ADAC. Allerdings sagt Becker auch: „Das Nadelöhr Britzer Tunnel würde man in der bestehenden Form heute nicht mehr bauen.“ Tatsächlich schlug das Berliner Abendblatt auch in anderer Hinsicht optimistische Töne im Hinblick auf den Tunnelbau an. „Nach der Fertigstellung soll auf einer Länge von eineinhalb Kilometern eine durchgehende Grünfläche mit sechs Spielplätzen über den Fahrbahnen entstehen, außerdem soll ein Wegenetz von der Gottlieb-Dunkel-Straße bis zur Rungiusstraße Radfahrern eine bequeme Verbindung bis nach Tempelhof ermöglichen“, hieß es damals. Heute herrscht bei Radfahrern Ernüchterung. „Fakt ist, dass Radfahrer keine bequeme und vor allem keine sichere Verbindung von der Gottlieb-Dunkel-Str. nach Tempelhof haben. Von einem Wegenetz kann nicht die Rede sein“, erklärt Nikolas Linck vom ADFC. Die angekündigten Grünflächen über dem Tunnel gibt es dagegen tatsächlich. „Dort kann man auch gut mit dem Rad fahren“, so Linck weiter.

Philip Aubreville