Historischer Badetempel

Schwimmen: Das Stadtbad Mitte ist mittlerweile ein Juwel.

Es war eines von mehreren Stadtbädern, deren Bau Ende des 19. Jahrhunderts begonnen hatte. Ziel war es, allen Berlinern eine Bade- und Waschmöglichkeit in der näheren Wohnumgebung zu bieten, da die wenigsten Wohnungen über Badewannen oder Duschmöglichkeiten verfügten. Das Stadtbad Mitte wurde am 14. Mai 1930 eingeweiht und im Januar 1945 von Bomben getroffen – allerdings konnten im Juni des gleichen Jahres die Wannen- und Brausebäder wieder geöffnet werden. Der Zahn der Zeit hatte aber mächtig an dem Gebäude genagt, so dass es 1985 wieder geschlossen werden musste. Zwei Jahre nach dem Fall der Mauer „fielen die Gerüste in der Gartenstraße, die Klinkerfassade glänzt frischgewaschen“ schrieb das Berliner Abendblatt.

Ewig saniert

Aber: Experten der Senatsbauverwaltung und des Bäderamtes Mitte bemängelten die Sicherheit, Hygiene und den Brandschutz – eine umfassende Rekonstruktion und Sanierung schloss sich an. Nach der Wende konnte das Volksbad im Jahr 1993 wieder komplett eröffnet werden. In den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts wurden schließlich auch die Fassaden erneuert und die Technik auf den neuesten Stand gebracht. Im Jahr 2012 erhielt das Bad den Namenszusatz nach seinem Stifter – James Simon.

Heute gehört das Bad zu einem der schönsten in der Stadt. Vereine und Schulen nutzen es regelmäßig. Angeboten werden auch Sauna, Massage, Schwimmkurse, Aqua-Fitness, ein ambulantes Rehabilitationszentrum, medizinische Bäder und ein russisch-römisches Bad, dessen Glasmalereien von Max Pechstein angefertigt wurden. In der Treppenhalle stehen weitere Skulpturen. Mittelpunkt ist ein Schwimmbecken mit einer Länge von 50 Metern, einer Breite von 15 und einer Tiefe von 12 Metern.

Originale Skulptur

In der historischen Eingangshalle sind Wände und Fußboden mit ockerfarbenen Keramikfliesen ausgelegt. Die Bronzeskulptur eines nackten Mädchens mit einem lässig übergeworfenen Handtuch begrüßt die Besucher, angefertigt nach Entwurf des Bildhauers Ernst Hermann Grämer und 1939 hier aufgestellt. Man tritt durch eines von zwei Glasportalen durch eine Luftschleuse hindurch in den Innenbereich; zum früheren Kassenbereich und den anschließenden Einrichtungen führen dann sieben Stufen hinauf. Die Decken der Eingangshalle sind mit den rekonstruierten Original-Deckenlampen aus Milchglas und Messing ausgestattet.

Anke Walter, Bild: BAB/Archiv