Die Mauer steht immer noch

Stadtplanung Rund um den Schlosspark in Pankow hat sich viel verändert, aber nicht alle Wünsche erfüllten sichs.

Damals stand der Zehner noch. Der Sprungturm im Freibad Pankow, der später aus Sicherheitsgründen gestutzt werden musste. Eine recht „gemischte Entwicklung“ machte das Abendblatt für das Gebiet rund um den Schlosspark Schönhausen aus: „Im Westen das einst best beobachtete und vom Volke weitgehend gemiedene ,Städtchen‘, im Südosten das weitläufige, von Tausenden Berlinern aber oftmals überstrapazierte Gelände des Freibades. Im „Nationalen Aufbauwerk zwischen 1958 und 1960 tatsächlich durch des ,Volkes Hände‘ entstanden, ist es bis auf den heutigen Tag weit über Pankows Grenzen hinaus ein beliebter Treffpunkt.“ Daran hat sich nichts geändert. Kein Wunder! Denn zwischen Buch und dem Ernst-Thälmann-Park betreiben die Bäderbetriebe derzeit keine einzige Schwimmhalle. Anfang dieses Jahrtausends musste die letzte an der Wolfshagener Straße wegen hohen Sanierungsaufwands schließen. Nun aber ist der Bezirk Pankow neben Tempelhof-Schöneberg der große Gewinner des Berliner Bäderkonzepts. Im April beschloss der Senat, 30 Millionen Euro für ein Multifunktionsbad an der Wolfshagener Straße auszugeben. 2020 soll es fertig sein. Pankow freut sich drauf.

Ohne Gebühr

Die Zeiten, da am schmiedeeisernen Einganstor des Schlossparks eine kleine Gebühr verlangt wurde, waren 1992 schon vorbei. „Zu DDR-Zeiten, als das Schloss für verschiedene Regierungsfunktionen in Beschlag genommen wurde, kam die leidige Mauer und die hässlichen Zusatzbauten in das schöne, von Lenné angelegte Anwesen. Noch immer harren die Spaziergänger darauf, dass dieser Frevel endlich wieder rückgängig gemacht wird“, schrieb das Berliner Abendblatt.

Flächendenkmal

Diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Denn die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, in deren Obhut Schloss und Garten überführt wurde, verfolgt bis heute den umstrittenen Plan, etwa auch Garagen und ehemalige Wachhäuschen als Flächendenkmal des real existierenden Sozialismus zu erhalten – und eben auch die Mauer rund ums schmuck sanierte, heute für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzte Schloss. Immerhin: Die hässlichste Ecke am Schloss wird bald aufgehübscht. Im aus den 1950er Jahren stammenden Garagenkomplex am Nordtor soll der seit langem geplante Besucherempfang mit Ticketverkauf, Café, Toiletten und Shop entstehen.

Michael Hielscher, Bild:BAB/Archiv