Wenige und marode Schulen auch vor 25 Jahren

Erziehung: Anfang der 90er warnten Politiker vor einem Schulplatzmangel.

Es ist gerade mal ein paar Jahre her, als das Bezirksamt Lichtenberg aufgrund gesunkener Schülerzahlen bereits geschlossene Schulgebäude abreissen oder für andere Zwecke umfunktionieren ließ. Ganz aktuell kämpft der Bezirk eher mit einem Mangel an Schulplätzen und Schulstandorten. Ein Umstand, mit dem sich die Bezirkspolitik bereits kurz nach der Wende auseinander setzen musste. In der Ausgabe vom 27. November 1991 beklagt der damalige Bezirksstadtrat für Bildung und Jugend, Jürgen Bergmann, besonders den Sanierungsstau in den bezirklichen Schulgebäuden. „Man sieht Verfallserscheinungen besonders bei Turnhallen. Hier hilft keine Renovierung mehr, es muss neu gebaut werden“, so Bergmann, der aber am Ende des Beitrags auch Hoffnung macht. „In ein paar Jahren sieht aber alles anders aus“, wird Baumann zitiert, der für die anstehenden Sanierungen 80 bis 100 Millionen D-Mark kalkuliert. 2016 ist der Schulplatzmangel in Lichtenberg erneut spürbar. 2.981 Grundschulplätze müssen gemäß des aktuellen Monitorings der Senatsverwaltung für Bildung geschaffen werden, um die Bedarfe der kommenden fünf Jahre erfüllen zu können. Im Berliner Vergleich ist das der zweitgrößte Bedarf unter allen Bezirken. Mit schnell aufstellbaren, vorgefertigten mobilen Ergänzungsbauten soll dieser Mangel zum größten Teil abgefedert werden.

Schneller Bauen

Im Schulneubau gilt es zudem, die Genehmigungs- und Planungszeiten von acht Jahren oder bis zur Realisierung zu verkürzen. Aber auch an den vorhandenen Schulen im Bezirk ist der Handlungsbedarf außerordentlich dringend. Bis zu 300 Millionen Euro dürften laut Einschätzung des Bezirksamtes derzeit notwendig sein, um alle Schulen in Lichtenberg auf einen modernisierten Stand zu bringen. Und was 1992 galt, hat in unseren Tagen dabei nur wenig an Bedeutung verloren: Besonders die Zustände der sanitären Einrichtungen und der Dächer bemängelte damals Stadtrat Bergman. Details, die auch der aktuellen Schulstadträtin Kerstin Beurich nicht unbekannt sein dürften. Schultoiletten und sanitäre Anlagen sind noch immer die neuralgischen Punkte eines jeden Schulstandortes, zu denen die umfangreichsten Sanierungsarbeiten von Eltern, Schülern und Lehrern gefordert werden.

Stefan Bartylla, Bild: BAB / Archiv