Die Krux mit den Stolper-Gehwegen

Verkehr: Marode Gehwege mit gefährlichen Unebenheiten sind kein neues Phänomen.

Erst kürzlich berichtete das Berliner Abendblatt über den katastrophalen Zustand der Berliner Gehwege. In Steglitz-Zehlendorf sind demnach die Hälfte aller Geh- und Radwege sanierungsbedürftig. Vorausgegangen war eine Anfrage der grünen Abgeordneten Anja Kofbinger. Die Antwort des Senats warf dabei ein Licht auf eine jahrzehntelange Vernachlässigung. In Marzahn-Hellersdorf müssten demnach 80 Prozent der Gehwege saniert werden. Nicht viel besser sieht es in Steglitz-Zehlendorf aus, hier seien rund die Hälfte der Gehwege sanierungsbedürftig. Im ganzen Bezirk warnen inzwischen die Schilder des Bezirksamtes vor Gehweg-Schäden. Weil das Geld fehlte, konnten in den vergangenen Jahren nur akute Gefahrenstellen auf Geh- und Radwegen beseitigt werden. „Dadurch hat sich ein erheblicher Sanierungsstau ergeben“, sagt Bezirksstadträtin Christa Markl-Vieto (Grüne).

Altes Problem

Wie weit die Probleme zurückreichen, zeigt ein Artikel von 1997. Damals traf in der Redaktion des Berliner Abendblatts ein Brief von Günter Steinberger ein, dessen 83-jährige Schwiegermutter auf einem Gehweg in Lankwitz schwer gestürzt war. Schuld waren auch hier Unebenheiten, in diesem Fall im Mosaikpflaster in der Apoldaer Straße. Das zuständige Bezirksamt Steglitz weigerte sich damals, für die Folgeschäden aufzukommen – die schadhafte Stelle auf dem Gehweg wurde für die alte Dame zur Stolperfalle mit rund fünf Zentimeter Höhenunterschied. Ob die Probleme und Gefahren insbesondere für die älteren Fußgänger auch in den kommenden Jahrzehnten weiter bestehen, wird sich erweisen. Im vergangenen Jahr flossen mit rund 255.000 Euro zwar deutlich mehr als noch 2014 (rund 75.000 Euro) in die Geh- und Radwege. In diesem Jahr waren bis August Ausbesserungen im Wert von gerade mal 50.000 Euro beauftragt. „Im Jahr 2015 konnten etwa ein Prozent der gesamten Gehwegflächen in Steglitz-Zehlendorf instand gesetzt werden“, sagt Markl-Vieto. Der Bezirk würde bei diesem Tempo 50 Jahre benötigen, um alle Gehwege durchzusanieren.

Daniel Seeger, Bild: BAB/Archiv