Streit um Großmarkt in der Goerzallee

Stadtplanung: Wie die Parteikollegen Norbert Kopp und Klaus Eichstädt wegen Obi aneinander gerieten.

Ob sich Baustadtrat Norbert Kopp (CDU) mit seiner Entscheidung viele Freunde gemacht hat, ist fraglich: Er hat eine Bauvoranfrage des OBI-Marktes positiv beschieden. Damit ist die Voraussetzung dafür geschaffen, dass sich an der Goerzallee 189-223 mehrere Großmärkte ansiedeln können. Nicht nur die SPD und die Bündnisgrünen sind sauer. Auch Zehlendorfs Bürgermeister und Baustadtrat Klaus Eichstädt (CDU) lehnt das Vorhaben strikt ab. […] Udo Bensel, bündnisgrüner Wirtschaftsstadtrat in Steglitz, warf Kopp „eine der größten Fehlentscheidungen, die jemals im Bezirk getroffen worden sind“, vor. …

So schrieb das Berliner Abendblatt 1997 über eine der grundlegendsten Entscheidungen für den Einzelhandel in den damals noch getrennten Berliner Bezirken Steglitz und Zehlendorf. Die Befürchtungen: Durch Großmärkte wie Obi würden dort die Innenstädte „veröden“. Insofern war die Entscheidung des damaligen Baustadtrats Norbert Kopp, der später auch der Bezirksbürgermeister der beiden fusionierten Bezirke werden sollte, für die Geschäftsleute in der Steglitzer Schloßstraße oder dem Zehlendorfer Teltower Damm von existentiellem Rang. „Herr Kopp nimmt seiner Schloßstraße und meinem Teltower Damm die Kaufkraft weg“, warnte damals Klaus Eichstädt. Heute befragt, erinnert sich Eichstädt gut an die Auseinandersetzung mit seinem Amtskollegen Kopp und an seine Forderung etwa nach einer Bedarfsprognose. „Damals wollte ich natürlich die kleinen Märkte in den Einkaufsstraßen schützen, inzwischen ist jedoch der Zug der Zeit auch ein Stück weit über diese Einstellung hinweggerollt“, sagt der 76-Jährige.

So hätten die beiden Stadtzentren in Steglitz und in Zehlendorf zwar unter Obi und Kaufland gelitten – doch gehören die Großmärkte längst zu den Bezirken dazu und passen eben auch zum Kaufverhalten der Leute. „Das Sterben der kleinen Läden wird von vielen inzwischen hingenommen“, sagt Eichstädt mit hörbarem Bedauern.

Innerstädtische Verdrängung

So verändern sich inzwischen auch die innerstädtischen Einkaufsmeilen gewaltig – wobei etwa in der Schloßstraße eher von Verdrängung statt von Verödung gesprochen werden muss. Mit 200.000 Quadratmetern Verkaufsfläche ist die zwei Kilometer lange Schloßstraße das größte Einzelhandelszentrum in ganz Berlin. Riesige Einkaufszentren wie jüngst das Boulevard Berlin mit ihren vielen Filialisten treten zunehmend an die Stelle traditionsreicher kleiner Fachgeschäfte.

Daniel Seeger, Bild: BAB/Archiv