Geschacher um die Dresdner Bahn

Projekt: Ein Bahnprojekt mitten durch die Kieze.

Wer wissen möchte, welchen Weg die Dresdner Bahn entlang der Grenze zwischen Tempelhof und Steglitz nehmen wird, ist im Kreisel an der Schloßstraße richtig. Bis zum 15. Januar liegen im Bauordnungsamt die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren für das Bauvorhaben Wiederaufbau und Elektrifizierung der Dresdner Bahn aus – genauer gesagt für den Abschnitt 1 nördlich der Attilastraße bis südlich des S-Bahnhofs Schichauweg.

20 Jahre vergangen

Seit dieser Ankündigung im Jahr 1997 sind inzwischen fast 20 Jahre vergangen. Nach mehreren Planänderungen wurde dem Eisenbahn-Bundesamt vor fast genau zwei Jahren die sechste Version im Planfeststellungsverfahren übergeben. Gebaut wurde bis heute noch nichts. Von den drei Bauabschnitten in Berlin (Marienfelde, Lichtenrade, Blankenfelde-Mahlow) hat die Deutsche Bahn aktuell den zweiten Abschnitt in Lichtenrade am weitesten vorangetrieben. Das Eisenbahn-Bundesamt hat hier vor rund einem Jahr einen Beschluss erlassen, auf dessen Grundlage die Bahn die Planungen abschließen möchte – damit aber ungebrochen auf den heftigen Widerstand der Lichtenradener stößt. Diese fordern seit vielen Jahren eine Tunnellösung und fürchten durch die Dresdner Bahn eine Art Mauer mitten durch die Kieze.

Trotzdem soll es jetzt Ende des Jahrzehnts mit dem Bau losgehen

Über die Bauzeit von viereinhalb Jahren wäre die Lichtenradener Bahnhofstraße voll gesperrt. Erst jüngst bezeichneten ortsansässige Unternehmen die lange Bauzeit als „Super-Gau“, das urbane Leben sei ebenso gefährdet wie die ortsansässigen Betriebe. Mit Klagen vor dem Verwaltungsgericht und regelmäßigen Demonstrationen sollen die Pläne der Deutschen Bahn doch noch vereitelt werden.

Übrigens: Der Steglitzer Kreisel, in dem die Planungs-Unterlagen einst auslagen, hat als Verwaltungsgebäude längst ausgedient. Die Berliner CG Gruppe will das Wahrzeichen in der Steglitzer Schloßstraße in den kommenden Monaten nach umfangreicher Asbest-Sanierung zu einem Wohnturm umbauen.

Daniel Seeger, Bild:BAB/Archiv