Ein Dampfer für den Wedding

Einkaufen: Das Gesundbrunnen-Center hält Kurs, verliert aber einen Ankermieter.

Der Bau des Gesundbrunnen-Centers war keinesfalls eines dieser nicht enden wollenden Berliner Bauprojekte, von denen wir heute allzu gut zu berichten wissen. Nein, das Shoppingcenter wurde mit straffem Zeitplan hochgezogen. Spatenstich im Juli 1997, Grundsteinlegung ein knappes Jahr später, Richtfest im April 1997 und im darauffolgenden September eröffnete die Shopping-Meile. Optisch erinnert das Center an ein Kreuzfahrtschiff. Und genauso war es gedacht: Es waren die Architekten der Betreiberfirma ECE, die das Center ganz originalgetreu nach diesem Aufbau planten – mit Kommandoturm, Masten, Reling und Bullaugen.

Ort der Begegnung

Alle Planungen, über die das Berliner Abendblatt am 5. März 1997 berichtete, sind im Großen und Ganzen umgesetzt worden. So wird die Mall von einem Glasdach überspannt, Bäume in der Halle unterstreichen die Atmosphäre. Klaus Hoffmann, ECE-Architekt, sagte damals: Alles soll hier ganz hell, sauber und sicher werden. Wir achten ganz extrem darauf, dass die Kunden sich im Center wohlfühlen können. Es soll nicht ein Ort zum Einkaufen, sonder der Begegnung werden, an dem die Leute was zu gucken haben.“ 100 Geschäfte waren geplant, 110 sind es heute. Und 1.000 Mitarbeiter – gesagt, getan. Bereits zum Richtfest im Jahr 1997 waren 95 Prozent der 25.000 Quadratmeter großen Verkaufsfläche vermietet, teilte der damalige Center-Manager Gottfried Wabra dem Abendblatt mit. „Mit Leerstand haben wir auch heute keine Probleme“, lässt das aktuelle Centermanagement mitteilen. Obwohl seit kurzem feststeht, dass einer der wichtigen Ankermieter, der Real-Markt, Ende Januar nächsten Jahres schließen wird. „Das ist beschlossene Sache“, sagt eine Verkäuferin vor Ort. Die Kündigungen seien schon im Mai gekommen, manche Mitarbeiter hätten in anderen Berliner Real-Filialen eine neue Stelle bekommen, viele stünden jedoch ohne Perspektive da.

Real zieht aus

Das Centermanagement gibt sich gelassen zur Frage, ob der Weggang des Real-Markts negativen Einfluss auf die Besucherzahlen haben wird: „Wir haben seit unserer Eröffnung im Jahr 1997 gute Frequenzen.“ Täglich würden rund 30.000 Besucher im Gesundbrunnen-Center gezählt. Außerdem steht laut Centermanagement schon fest, dass wieder ein sogenannter „Ankermieter“ (das sind übrigens Läden, die dafür sorgen, dass die Frequenz an Einkaufswilligen eine gewisse Marge nicht unterschreitet) in die Räume des Real-Marktes ziehen wird. Genaueres könne noch nicht gesagt werden, die Planungen und Verhandlungen laufen. Fest steht: Eine Ebene wird weiterhin mit Lebensmitteln bedient, die andere wird aus dem Bereich Textil kommen. Und eines konnte der Sprecherin noch entlockt werden: Die Ebenen werden von unterschiedlichen Mietern übernommen. Im kommenden Jahr feiert das Gesundbrunnen-Center 20. Geburtstag. „Dann wird es durch auslaufende Verträge ohnehin Mieterwechsel geben“, heißt es.

Sara Klinke, Bild: BAB/Archiv