Filme vom und für den Wedding

Kiezkultur: Citykino feiert Geburtstag – zwei Kino-Liebhaberinnen sagen Danke.

Es war vor zwei Jahren, als Wiebke Wolter und Anne Lakeberg den Kinobetrieb in dem beeindruckenden 60er-Jahre-Bau an der Müllerstraße 74 wieder aufgenommen haben. „Ich kann mich noch genau erinnern“, denkt Wiebke Wolter an den ersten Kino-Abend zurück. Gezeigt wurde „Monsieur Claude und seine Töchter“, die 220 Plätze waren restlos ausverkauft. Heute ist das Citykino Wedding berlinweit bekannt für eine besondere Auswahl an Filmen, für kulturellen Austausch, für Kiezleben. Am 24. September wird Geburtstag gefeiert – mit Filmen aus dem Wedding und einem spannenden Kurzfilmwettbewerb.

Schnell etabliert

Anfangs waren es nur ein paar einzelne Vorstellungen, mit denen Wiebke und Anne versuchten, „ihr Projekt“ ins Laufen zu bringen. Doch das Programm hat sich schnell erweitert. Die Besucherzahlen sind ebenfalls kontinuierlich gestiegen und die Bekanntheit des Kinos sowie die Belebung des Standorts wurde schnell vorangetrieben. „Wir haben damit nicht gerechnet, freuen uns aber umso mehr, dass unser Programm hier im Kiez und in ganz Berlin so gut angenommen wird“, sagt Wiebke. Spätestens seit der rbb- Tatort-Premiere „ÄTZEND“, zu der die Kommissare Meret Becker und Mark Waschke zu Gast waren, sowie dem Ritterschlag 2016 Teil der Berlinale sein zu dürfen, gehört das City Kino Wedding zu den etablierten Kinos. Das Jüdische Filmfestival Berlin/Brandenburg, das Arabische Filmfest, das Menschenrechtsfestival zu Nordkorea, das spirituelle Filmfestival, das 11mm Fußball Filmfestival, die Nordlichter und jetzt das Favourites Film Festival waren zu Gast. Am Samstag wartet ein Abend voller Filme aus dem Wedding auf all diejenigen, die zur Geburtstagsfeier vorbeikommen wollen. Erstmal wird um 16 Uhr das Plakatarchiv geplündert und versteigert, was im vergangenen Jahr zur Schau hing. Um 18 Uhr startet in Kooperation mit dem Weddingweiser der Kurzfilmabend „90 Sekunden Wedding“ inklusive Preisverleihung. Der Eintritt ist frei. Um 20.30 Uhr gibt es ein ganz besonderes Highlight: „Mutter Krausens Fahrt ins Glück“, ein Stummfilm von 1929, gedreht im Wedding, wird mit Live-Begleitung am Klavier auf der großen Leinwand zu sehen sein! Karten kosten zehn Euro und können an der Abendbkasse erworben werden – solange der Vorrat reicht. Zum Film: Auf einer Idee des Zeichners Heinrich Zille basierend und verortet (sowie gedreht!) im Wedding der 20er Jahre, erzählt „Mutter Krausens Fahrt ins Glück“ die Geschichte von Mutter Krause, die mit ihren Kindern in ärmlichen Verhältnissen lebt und ihr weniges Geld mit Zeitung austragen verdient. Sie gerät in große Schwierigkeiten, als ihr eigener Sohn sie bestiehlt. Als ein Film des sogenannten „Proletarischen Kinos“ gehörte dieser Film zu den ersten, die von den Nationalsozialisten verboten wurden.

Toller Kiez

Bei einem Sektempfang im Anschluss wollen Wiebke Wolter und Anne Lakeberg Danke sagen. „Es war immer unser Traum, ein eigenes Kinoprogramm zu machen“, sagt Wiebke, und weiter: „Ohne die tollen Menschen aus dem Wedding, ohne die bunte Vielfalt hier hätten wir es sicher schwerer gehabt.“ Das City Kino Wedding hat auch im dritten Jahr seines Bestehens vor, mit seinem ganzen Herzblut ein ausgewogenes Programm mit Filmperlen und Regiebesuchen für das Publikum im Wedding zu gestalten.

Sara Klinke, Bild: Albert Warth