In die Höhe gewachsen

Immobilien: Modernisierung beunruhigt Mieter in der Koppenstraße.

Auch im westlichen Friedrichshain wird Wohnen immer teurer. Derzeit liegt die Wohnkostenquote für Haushalte im westlichen Friedrichshain zwischen 28 und 29,9 Prozent. Bezirksweit lagen die Angebotsmieten im vergangenen Jahr bei durchschnittlich 10,39 Euro, das waren 3,9 Prozent mehr als 2013. So steht es im Wohnmarktreport der Bank Berlin Hyp und der Makler CBRE. Sanierung und Modernisierung treibt vielerorts die Kosten nach oben. Viele Mieter stehen vor der Frage: mehr zahlen oder gehen? Menschen mit kleinen oder mittleren Einkommen finden allerdings kaum eine neue Wohnung im Kiez.

Sozial verträglich

Derlei Vorgänge bereiten derzeit auch vielen Mietern in der Koppenstraße und in der Langen Straße Sorge. Für insgesamt neun Häuser plant die Eigentümergesellschaft, die Accentro Real Estate AG, ab dem kommenden Frühjahr massive Veränderungen. Unter anderem sollen die Ende der 50er-Jahre errichteten Gebäude um zwei Geschosse aufgestockt und somit 27 neue Wohnungen geschaffen werden. Hinzu kommen Außenaufzüge. Für jene der 145 Bestandswohnungen, die derzeit keine Balkone haben, werden straßen- und hofseitig acht Balkontürme vor der Hausfassade errichtet. Die Gesamtinvestitionssumme wird mit mehr als zehn Millionen Euro kalkuliert. „Nur die Maßnahmen, die zu einer Wohnwertverbesserung oder einer Energieeinsparung führen, werden im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften auf die Miete umgelegt“, lässt Accentro mitteilen. Nach Abschluss der Arbeiten sollen die Gebäude „sozial verträglich privatisiert werden“.

Die meisten Mieter sind allerdings Rentner und haben wenig Spielraum für Mieterhöhungen. „Einige Bewohner befürchten, künftig zwei Drittel oder mehr ihrer Rente für die Miete ausgeben zu müssen“, berichtet die Abgeordnete Susanne Kitschun (SPD). Gerade die vielen hochbetagten Bewohner, die seit Jahrzehnten dort zu Hause sind, stünden vor einer „Katastrophe“, sagt Gundel Riebe vom Berliner Mieterverein. Nach ihren Angaben beläuft sich die Nettokaltmiete für Zwei-Zimmer-Wohnungen derzeit auf rund 340 Euro. Nach der Aufwertung durch einen Balkon könnte sich die Miete nahezu verdoppeln. Zudem würde die Modernisierung an den Bedürfnissen der Bewohner vorbeigehen: „Die neuen Aufzüge sind 2,5 mal ein Meter groß, aber nicht barrierefrei, denn sie halten nur an den Zwischenetagen.“ Zudem sei die geplante Bauzeit von rund zwei Jahren eine Zumutung.

Accentro ist nach eigenem Bekunden bemüht, auf die Mieter zuzugehen und Lösungen für Härtefälle zu finden. Mit rund zwei Drittel der Bewohner habe man eine Einigung erzielt. Riebe bestätigt die Gespräche mit den Mietern, vielen sei bei Auszug eine Geldzahlung angeboten worden. Unterschrieben sei nichts. „Bis dahin sind für mich all die Ankündigungen nur Lippenbekenntnisse“, sagt sie.

Nils Michaelis, Bild: Accentro Real Estate AG