Auf Spurensuche

Saison: Ob und wo Pilzfreunde trotz derzeit schlechter Wetterbedingungen fündig werden können, verrät Experte Hansjörg Beyer.

Wenn es um Pilze geht, gibt es in Berlin kaum jemanden, der Hansjörg Beyer das Wasser reichen kann. Seit sechs Jahren ist er Pilzberater im Botanischen Museum, aber die Mykologie beschäftigt ihn schon seit über 40 Jahren. In einem Interview mit dem Berliner Abendblatt gab er wertvolle Tipps, wo und wann Pilzfreunde am besten fündig werden.

Zu wenig Regen

Pilzexperte Hansjörg Beyer

Pilzexperte Hansjörg Beyer

„Die Hauptpilzsaison ist bisher wechselhaft bis enttäuschend“, stellt Beyer fest. Mitte August habe es zwar nach entsprechenden Regenschauern durchaus gute Funde gegeben. Nach dem „Badewetter“ in den vergangenen Wochen sei es aber definitiv zu trocken. „Daher sind Pilze eher nur vereinzelt zu finden, insbesondere an Holz. Man muss also viel Geduld mitbringen oder weniger bekannte Arten kennen“, sagt er. Wie der Oktober und November werden, bleibe abzuwarten. Generell seien jedoch fast alle Berliner Wälder gute Pilzgründe. Dasselbe gelte für Wiesen und Weiden. Hier wächst nicht selten der Riesenbovist, der so groß wie ein Fußball werden kann und von dem dann ein einziges Exemplar ausreicht, um eine Familie satt zu bekommen. Manchmal füllen sich die Körbe der Sammler dort am schnellsten, wo sie es am wenigsten erwarten. Die meisten Pilze gedeihen bei warmen Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad Celsius und bei ausreichend Feuchtigkeit. Welche Pilze auf welchem Boden wachsen, ist durchaus unterschiedlich. „Manche Pilze lieben bodensaure Kiefernwälder, etwa die beliebte Marone. Andere mögen eher basisch geprägte Laubwälder wie zum Beispiel die im Berliner Raum sporadisch vorkommende Totentrompete.“ Eingängig ist seit jeher der Spruch: „Unter Birken, Eichen, Buchen kannst du immer Pilze suchen. Unter Eschen, Erlen, Linden wirst du nicht so viele finden.“ Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.

Besondere Arten

Umso besser Sammler sich auskennen, desto größer sind derzeit die Chancen auf eine gute Beute. Zwar lassen sich die beliebten Speisepilze wie Marone, Steinpilz, Birkenpilz und Pfifferling derzeit finden, Arten wie der Hexenröhrling oder einige Täublingsarten sowie der Braune Büschelrasling sind jedoch ebenso vertreten und dazu sehr appetitlich.

Erst am Anfang

Wer bisher noch nicht fündig geworden ist, muss sich nicht sorgen. Hansjörg Beyer erklärt: „Die Hauptpilz-Saison hat gerade erst begonnen. Je nach Feuchtigkeit und Temperatur lassen sich in manchen Jahren auch im November noch zahlreiche Pilzarten finden.“ Einige winterfeste Arten würden sogar bis in den Vorfrühling durchhalten. Die Ablösung folgt dann durch die typischen Frühjahrspilze wie einige Lorchel-Arten und Morcheln. Pilze lassen sich also praktisch das ganze Jahr über finden, auch wenn der Schwerpunkt des Aufkommens natürlich im Herbst ist.

In jedem Fall gilt: Wer Pilze verzehrt, sollte sich der Essbarkeit absolut sicher sein. Hansjörg Beyer emfiehlt in diesem Zusammenhang dringend die Pilzberatung im Botanischen Museum, Königin-Luise-Straße 6-8 (derzeit montags von 13.30 bis 16.30 Uhr und freitags von 15.30 bis 17.30 Uhr).

Sara Klinke, Bild: Thinkstock/iStock/MarkMirror, Bild: Diana Röllig