500 Schüler wollen ihren Sonntag wieder

Protest: Vor dem Amtssitz der Bildungssenatorin wurde es laut.

„Wir sind hier, wir sind laut, weil Scheeres uns den Sonntag klaut!“ Rund 500 Schüler der Weißenseer Marcel-Breuer-Schule skandierten dies vorm Amtssitz von Bildungssenatorin Sandra Scheeres. Sie protestierten gegen die Absetzung ihres Schulleiters Holger Sonntag. In einem nur zehnminütigen Gespräch war einer der erfolgreichsten Schulleiter Berlins von seinem Amt abberufen und versetzt worden. Nach 14 Jahren vorbildlicher und allgemein anerkannter Arbeit.

Große Solidarität

Die Nachricht hat sich an der Schule wie ein Lauffeuer verbreitet, berichtet Schülersprecher Willy Schmidt. „Herr Sonntag ist fachlich und menschlich einfach Spitze. Wir wollen zeigen, dass man alles über unsere Köpfe hinweg entschieden hat.“ Schnell waren eine Protestdemo organisiert, die Presse eingeladen sowie eine Online-Petition ins Netz gestellt. Schüler, Lehrer, Kollegen anderer Schulen und sogar aus dem Ausland zeigten ihre Solidarität. Die Demo sorgte – wenige Stunden vor der Wahl – für Bilder, bei denen Bildungssenatorin Scheeres nicht gut wegkam. Staatssekretär Mark Rackles schrieb Sonntag, dieser lasse eine „kooperative Grundeinstellung vermissen“, um den Fusionsprozess voranzubringen. Dabei geht es um den Versuch, die im modernen Komplex Gustav-Adolf-Straße 66 untergebrachte Marcel-Breuer-Schule (Oberstufenzentrum für Holz- und Glastechnik und Design) und die Martin-Wagner-Schule (OSZ Bautechnik) umzustrukturieren. Scheeres hatte im April entschieden, das OSZ Martin Wagner aufzulösen. Zugunsten eines neuen „Campus Gestaltung“ sollten die Bauberufe nach Spandau, die technischen Berufe nach Neukölln verlagert werden. Damals protestierten angehende Gerüstbauer, Bauzeichner und Betonbauer auf dem Alex und fühlten sich vom Senat ebenso übergangen wie nun die Breuer-Schüler. Auch das Verhältnis der beiden OSZ untereinander litt: Es gab Beleidigungen, Störungen des Unterrichts und sogar einen Steckbrief mit Todesdrohung gegen Holger Sonntag. Statt die Polizei einzuschalten, kehrte die Verwaltung die Sache unter den Teppich. Täter wurden nie ermittelt.

Ergriffen

Im Juli legte Scheeres den „Campus Gestaltung“ auf Eis. Nach den Ferien sollte nun eine Fusion „ergebnisoffen“ diskutiert werden. Für Holger Sonntag und sein Kollegium ein Rückschritt. Er vermisste „inhaltliche Leitplanken“, die Verwaltung Sonntags Bekenntnis, die Fusion „aktiv und konstruktiv begleiten zu wollen“. Mittlerweile liegt Sonntag ein neues Gesprächsangebot von Rackles vor. Er wird es annehmen. „Diese Woche hat mir aber so zugesetzt, dass ich erst mal ein paar Tage Abstand brauche“, so der von der Solidaritätsaktion seiner Schüler sichtlich ergriffene Schulleiter.

Bild/Autor: Michael Hielscher