Wenn Tiere zu Therapeuten werden

Soziales: Jessica Exner hält mit ihren Schweinen und Hunden Senioren fit.

Einmal in der Woche bekommen die Ärzte und Mitarbeiter im Domicil-Seniorenpflegeheim in Reincikendorf tierische Unterstützung. Dann kommt die Agraringenieurin Jessica Exner mit zwei Schweinen und drei Hunden zur Senioren-Visite nach Neukölln. Die Spaniel-Dame Doro ist für die Bewohner im Bereich mit palliativem Schwerpunkt zuständig. Doro ist sehr sanft, zart und anschmiegsam. Sie sorgt dafür, dass die todkranken Menschen im Bett liegend ihre Nähe, ihre Wärme, ihr weiches Fell fühlen und sie einfach festhalten. Mit geschlossenen Augen sind Mensch und Tier ganz entspannt, ein stiller, ergreifender Moment. Das Schwein Pong fühlt sich im Haus noch etwas unsicher und arbeitet lieber im Freien. Schwein Ping ist der Fitness-Trainer unter den tierischen Therapeuten. Der einjährige Bergsträßer Knirps bringt ausgewachsen bis zu 85 Kilo auf die Waage. Während die Senioren im Kreis sitzen, stupst die Sau mit ihrem Rüssel einen mit Mais gefüllten Ball hin und her, der von der begeisterten Runde mit den Füßen immer wieder zurückgekickt wird „Diese Übung soll die Senioren zur Bewegung animieren, eine perfekte Thrombose-Prophylaxe“, sagt Betreuungskoordinator Marcus Karsten. Selbst das Füttern von Ping mit einem Kochlöffel oder mit Karaottensaft aus einer Babyflasche erfüllt einen medizinischen Zweck: Dabei werden Arme und Schultern der Patienten trainiert. Nach getaner Arbeit holt sich Ping seine Streicheleinheiten bei seinen betagten Spielkameraden ab. „Das baut Ängste ab und sorgt für Abwechslung und Kommunikation unter den Senioren“, erklärt Marcus Karsten. „Schweine sind Rottentiere, sehr sozial, akzeptieren die Menschen, sind sehr lernfähig und zeigen Freude“, sagt Jessica Exner. Ping geht immer wieder ohne Scheu zu den Bewohnern, schnüffelt, stupst, bettelt, grunzt, er wedelt sogar mit dem Schwänzchen – seine Körpersprache zeigt: Das Leben ist schön für Mensch und Tier.

Anke Walter, Bild: Stefan Bartylla