Strampeln gegen die kranke Seele

Depressionen: Fahrrad-Tour durch Deutschland soll über psychische Erkrankungen aufklären.

In Bremen endete jetzt nach rund 7.300 Kilometern und drei Monaten die „Große Mut-Tour 2016“. 52 Tandemfahrer mit und ohne Psychoprobleme haben sich zusammen mit Initiator Sebastian Burger mit dem Rad in Heidelberg auf den Weg durch 70 Städte im gesamten Bundesgebiet gemacht, um Gemeinschaft zu erleben und vor allem Aufklärungsarbeit zum Thema Depression zu leisten. In diesem Jahr erstmals mit dabei: Team Kajak und Team Esel!

Große Beteiligung

Wie in den anderen Städten hatten sich auch in Berlin zahlreiche Personen mit und ohne psychischem Krankheitsbild der Mut-Tour beziehungsweise dem Mut-Lauf angeschlossen. So absolvierten rund 280 Läufer die fünf oder zehn Kilometer lange Strecke. Das Motto dabei war klar: Ohne Leistungsdruck ein Zeichen gegen die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen setzen und dabei noch Spaß haben. Die Tour auf dem Rad verlief vom Tempelhofer Feld über Köpenik und das Brandenburger Tor wieder zurück zum Ausgangpunkt.

Idee in der Krise

Burger hatte die Idee zur Mut-Tour, als er 2006 selbst eine kleinere Krise durchlitt und ihm damals viel Sport darüber hinweghalf. „Als dann vor rund einem Jahr der Triathlet Martin Schulz dazukam, erweiterten wir die Initiative um den Mut-Lauf“, erzählt Burger. Schulz ist Vorstandsmitglied der Deutschen DepressionsLiga und selbst Betroffener. Noch immer fällt der Gesellschaft der Umgang mit Depressionen schwer. „Die Erkrankung wird zwar nicht tabuisiert, aber stigmatisiert“, sagt Burger – oder aber in der Politik verdrängt. Burger selbst habe im Gesundheitsministerium angefragt, wieso es von hier keine Aufklärungs-Kampagnen gäbe. „Dann hätten wir ja noch mehr Diagnosen, hieß es damals in einem wohl unüberlegten Moment aus dem Ministerium“, erzählt Burger. Dabei werde die Versorgungslage für Betroffene prekärer.

Daniel Seeger, Bilder: Joanna Kosowska