Die Gondeln ins grüne Herz der IGA

Marzahn-Hellersdorf: Eine Seilbahn wird die Attraktion der Gartenausstellung werden.

Nach fast 60 Jahren schweben wieder Gondeln über Berlin. Zur Internationalen Bauaustellung 1957 führte damals eine 1,4 Kilometer lange Trasse vom Bahnhof Zoo zum Schloss Bellevue. Heute gondelt die Seilbahn anlässlich der Internationalen Gartenausstellung (IGA), die im nächsten Jahr hier eröffnet wird, von Hellersdorf bis in die Gärten der Welt. Nur vier Minuten dauert die Fahrt, aber sie wird zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. Das Berliner Abendblatt war auf der Jungfernfahrt dabei.

Alpines Know-How

Entwickelt haben das spektakuläre Wunderwerk der Technik die Skilift-Spezialisten der Firma Leitner ropeways, die schon Seilbahnen auf die höchsten Berge der Alpen gebaut haben. An der Station „IGA-Auftakt“, gegenüber des U-Bahnhofs Neue Grottkauer Straße, geht’s los. Fast lautlos schließen die beiden Flügel der Kabinentür mit hydraulisch unterstützter Mechanik. In den 30 rundum verglasten Kabinen finden jeweils bis zu zehn Fahrgäste auf den gepolsterten Bänken Platz. Sanft heben wir ab und die Gondel fädelt sich mit leichtem, sanftem Ruck in die lange Hauptschleife der Seilbahn ein. Wir schweben über dem Wuhletal dem grünen Hang des Kienbergs entgegen. 30 Meter über der schmalen Wuhle gleitet die Kabine nahezu schwerelos über kleine Wäldchen und grüne Wiesen, auf denen sich Teiche wie blaue Farbtupfer ausbreiten. Unter uns die Wasser- und Themengärten der IGA, die noch ihren letzten Feinschliff bekommen. In der Ferne zeichnen sich die Hochhauskulissen der Lichtenberger Großraumsiedlungen ab, alles überragt vom Fernsehturm am Alex. Ein atemberaubendes Panorama.

Zum Berg

Gerade mal zwei Minuten nach dem Start steigt die Gondel nun dem 100 Meter hohen Gipfel des Kienbergs entgegen. Nur ein tiefes, sehr leises Brummen erinnert jetzt an die solide Technik, die die Fahrt sicher und ruhig macht. Auf dem Gipfelplateau des Kienbergs entsteht derzeit die Besucherplattform „Wolkenhain“ in 30 Meter Höhe. Von hier sollen Besucher ab April 2017 den uneingeschränkten Panoramablick über die gesamte Region genießen können. Die Gondel passiert den Kienberg an der Seilbahnstation. Jetzt führt die Fahrt der Glaskabinen wieder sanft abwärts. Für einen Moment scheint es so, als ob die Fassadenzeilen der riesigen Wohnbauten an der Allee der Kosmonauten, dem Blumberger Damm und der Landsberger Allee das Ziel der Gondelfahrt sein würden. Langsam senkt sich die Kabine aber zur sanften Einfahrt in die Seilbahnstation der Gärten der Welt. Fazit: Schade, dass die Seilbahn erst im April nächsten Jahres für alle Besucher frei gegeben werden wird – die Fahrt ist auf jeden Fall ein Erlebnis, das sich kein IGA-Besucher entgehen lassen darf. Die Gondelfahrt ist übrigens dann im Eintrittspreis enthalten.

Text+Bild: Stefan Bartylla