Kulturstandort in Gefahr

Umzug: Bürger wollen bei den Planungen für eine Nachnutzung der Dahlemer Museen mitreden.

2019 wird das Humboldt-Forum in Mitte eröffnet: Dann wird auch der Umzug der Kunstschätze des Museumszentrums Dahlem nach Mitte abgeschlossen sein. Nur das „Museum Europäischer Kulturen“ soll seinen Standort im Südwesten behalten. Wie es in Dahlem weitergeht, ist allerdings noch völlig offen – nun werden die Forderungen nach Mitsprache der Bürger immer lauter.

Keine Konzepte

Als ehemaliger Gesandter der Bundesrepublik Deutschland ist Guy Féaux de la Croix mit den Feinheiten diplomatischer Formulierungen durchaus vertraut, doch wenn es um den Museumsstandort Dahlem geht, wird der 68-Jährige klar und deutlich. „Seit bald 16 Jahren wird über die Verlagerung der „Dahlemer Museen“ nach Berlin-Mitte diskutiert. In all den Jahren haben Landes- und Bezirkspolitiker, von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ganz zu schweigen, keine Nachnutzungskonzepte auf den Tisch gelegt“, sagt Féaux de la Croix.

Mit dem Verein „Wir für Europa“ hat Féaux de la Croix nun den „Dahlemer Appell“ veröffentlicht, in dem ein ordentliches, transparentes Planungsverfahren gefordert wird. In einem Ideenwettbewerb sollten verschiedene kulturelle Konzepte auf ihre Eignung hin überprüft werden. Politische Akteure sollten in Sachen Dahlemer Museen nichts ohne das Volk entscheiden. Bis ein Konzept steht, wünscht sich der Verein zudem eine Zwischennutzung der leerstehenden Museumsräume, sobald der Umzug es gestattet. Kulturpolitiker aus dem Bezirk stehen den Forderungen grundsätzlich positiv gegenüber. „Das Engagement der Bürger ist hier sicher sehr hilfreich“, meint zum Beispiel die Dahlemer Abgeordnete Ina Czyborra (SPD) und die kulturpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Sabine Bangert, hält ein breites Bündnis für eine kulturelle Nachnutzung für wichtig. Wie genau eine solche Nachnutzung aussehen könnte, ist dabei offen. „Ich finde, es sollte kein Tabuthema geben und jegliche Form kultureller Nutzung kann in Überlegungen miteinbezogen werden“, meint Ina Czyborra.

Depot und Werkstatt

Tatsächlich heißt es von Seiten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), die die Museen betreibt, man werde bis auf weiteres umfangreiche Flächen in Dahlem als Depotstandort nutzen müssen. „Ebenso werden die beiden in das Humboldt Forum ziehenden Häuser im bestehenden Museumskomplex weiterhin ihre Restaurierungswerkstätten unterhalten. Wegen des Verbleibs des Museums Europäischer Kulturen in Dahlem bleiben selbstverständlich wesentliche Gebäudeteile für Ausstellungszwecke erhalten“, erklärt SPK-Sprecher Ingolf Kern.

Philip Aubreville Bild: Thomas Imo/ photothek.net/SPK