Weltpolitik im Kiez

Saudi-Arabien stoppt den Bau seiner geplanten Schule in Westend.

Der Vize-Kronprinz von Saudi-Arabien, Muhammad Bin Salman Al Saud, hat den Aufbau der umstrittenen König-Fahd-Akademie in Berlin-Charlottenburg gestoppt. Derzeit wird die Baustelle aufgeräumt und gesichert, bald steht in der Glockenturmstraße 23-25 in Westend ein viergeschossiger Rohbau auf 9.200 Quadratmetern Fläche brach. Hier sollte die Berliner Zweigstelle der König-Fahd-Akademie entstehen.

Zuvor Negativ-Schlagzeilen

Die Berliner Abgeordneten standen dem Vorhaben seit langem kritisch gegenüber, denn die Zentrale der Fahd-Akademie in Bonn sorgte vor Jahren mit islamistischen Aktivitäten für Negativ-Schlagzeilen. Einer Lehrkraft der Bonner Schule wurde vorgeworfen, zum „Heiligen Krieg“ aufgerufen zu haben. Dem Grundstücksverkauf an Saudi-Arabien, etwa zeitgleich mit Beginn des Arabischen Frühlings, stimmte das Berliner Abgeordetenhaus 2010 nur zu, wenn eine „Nutzungsänderung des Kaufgrundstückes zu einer Moschee“ für 20 Jahre als unzulässig vereinbart wird. Diese Auflage wiederum führte vermutlich dazu, dass das Königreich bis zum heutigen Tage nicht im Grundbuch steht, da das Amtsgericht den Eintrag aufgrund dieser Klausel verweigerte.

Ursprünglich waren 6.000 Quadratmeter Nutzfläche als Ergänzungsschule für 400 saudi-arabische Kinder von Geschäftsleuten, Ärzten und Diplomaten vorgesehen, die von der allgemeinen Schulpflicht befreit sind. Möglicherweise sollten diese aus der 2004 eröffneten und kleineren „König-Fahd-Akademie“ in der Fürstenbrunnner Straße 6 hier einziehen.

Bezirk prüft

Nun aber könnte das Grundstück bald wieder dem Land Berlin gehören. Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) begrüßt die Entscheidung Saudi-Arabiens sehr. Derzeit wird geprüft, „ob der Rohbau als neue Grundschule für den Bezirk genutzt werden kann. Auch Schulstadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) will „es als öffentliche Einrichtung erhalten“. Bis die Verhandlungen beendet sind, aber ist nur klar: „Beide Seiten wollen abwickeln“, sagt Christian Breitkreuz, Sprecher der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM).

Schulsystem gewürdigt

Laut Muhammad Bin Salman Al Saud wird neben dem Berliner Bau auch die schon seit 1995 bestehende Bonner Schule geschlossen. Als Grund wurden Reformpläne im eigenen Land genannt, die auf weniger Öl und mehr Bildung setzten. Ob dies auch den Standort in der Fürstenbrunner Straße betrifft, war bis Redaktionsschluss nicht bekannt. Wie der Botschafter Awwad S. Alawwad mitteilte, wäre die Schließung „ein Signal für dieses Reformprogramm“ und ein Hinweis darauf, dass über Modernisierung, stärkere Wetterbewerbsfähigkeit und die Ermächtigung der Frauen diskutiert würde. Zudem anerkenne das Königreich das deutsche Schulsystem als „eines der weltweit besten Bildungssysteme“ und sehe daher keine Notwendigkeit für eine eigene Schule.

Text+Bild: Christina Praus